Monthly Archives: September 2014

Platte der Woche (9)

TayiBebba

Clap! Clap! Tayi Bebba [Black Acre]

Nach der Tambacounda EP, die bereits aufhorchen ließ (1€ ins Phrasenschwein), liefert Cristiano Crisci nun das Debutalbum seines Alter Ego Clap! Clap! ab. Tayi Bebba erzählt die Geschichte einer fiktiven Insel und ihrer Bewohner, wobei die Titel 17 Episoden einer Narrative bilden, die mit dem Geburtsmythos des ersten Tracks „The Holy Cave“ beginnt. Ihr weiterer Verlauf  lässt sich anhand der 16 folgenden Stücke sowie einer Mischform aus Fließschema und Höhlenzeichnung, die als Poster beiliegt, verfolgen. Letzteres klingt vielleicht nicht besonders aufregend, sieht aber gut aus, wie im Übrigen das gesamte Artwork von Kae ziemlich schick geworden ist.

In der Musik selbst finden sich alle möglichen Spuren zeitgenössicher Bassmusik, die Crisci auseinander nimmt und mit „tropischen“ Instrumenten und Gesängen kombiniert in neue, polyrhythmische Formen gießt. Weil andere Tayi Bebba sicherlich wesentlich besser beschreiben können als ich und ich noch raus in die Sonne möchte, werfe ich schnell nochmal Geld ins Phrasenschwein und schreibe: Die Musik sagt doch sowieso mehr als 1000 Worte, also hören Sie doch einfach selbst, liebes Publikum.

Aufklärung der Dialektik bei Kretschmann?

In Ergänzung zum letzten Eintrag noch ein interessantes Interview mit Winnie Kretschmann auf ZEIT-online. Darin macht er deutlich, dass andere Staaten im Hinblick auf Flüchtlinge deutlich mehr leisten, verteidigt nochmals seine Entscheidung und zeigt auf, was sich in der Praxis alles ändern soll. So weit so gut. Ob sich tatsächlich etwas bessert, habe ich vor einigen Tagen angezweifelt, aber warten wir’s mal ab. Ein schönes Argument für die Neuregelung war ja auch die Entlastung der Verwaltungen; leider soll diese in den mehrmonatigen Bearbeitungsprozessen laut Bundesamt für Migration nur ganze zehn Minuten betragen. Continue reading Aufklärung der Dialektik bei Kretschmann?

Asylrecht für Fortgeschrittene mit dem Grünen

Nach der Einsteigerversion mit der CDU geht es heute um die Asylpolitik der Grünen. Oder besser eines Grünen. Denn dank dem baden-württembergische Ministerpräsidenten Kretschmann sind die Änderungen im Asylrecht, die der Bundestag im Juli beschlossen hat, auch vom Bundesrat abgesegnet. Kretsche räumte zwar ein, dass Roma auf dem Balkan diskriminiert werden, aber mit dem Asylrecht könne man da nicht helfen und die Verbesserungen, die aus dem neuen Gesetz resultieren seien diesen Preis wert. Dazu später mehr. Ganz nebenbei profiliert er sich auch noch als, naja, Staatsmann und lässt die Führungsspitze der Grünen ziemlich alt aussehen. Continue reading Asylrecht für Fortgeschrittene mit dem Grünen

Platte der Woche (8)

MakeshiftPatriot

Sage Francis: Makeshift Patriot [Anticon]

Beinahe pünktlich zum soundso vielten Jahrestag der Anschläge des 11. September 2001 erscheint in dieser Kategorie zum ersten Mal eine Rap-Platte. Von Sage Francis kam damals eine der wenigen Stimmen im Musikgeschäft, die schon kurz nach den Anschlägen so ziemlich alles thematisierte, was im medialen Umgang mit 9/11 falsch lief und auf genau die politischen Folgen hinwies, die spätestens mit dem Patriot Act eintreten sollten. Makeshift Patriot erschien ursprünglich Ende 2001 als 7″ (obige Bilder stammen von einer späteren Veröffentlichung aus dem Jahr 2002) und Francis musste für das Stück auch einiges an Prügel einstecken. Aber er sollte Recht behalten: „Freedom will be defended on the cost of civil liberties.“ Continue reading Platte der Woche (8)

Asylpolitik für Einsteiger mit der CDU

Im letzten Artikel ging es ja eigentlich um Südosteuropäer im Allgemeinen sowie Rumänen und Bulgaren im Speziellen. Ich habe dem deutschen Michel einfach mal angedichtet, dass er die Vorgenannten auch gerne auch mal mit Sinti und Roma bzw. „Zigeunern“ in einen Topf wirft. Ob dem wirklich so ist oder es sich um ein Vorurteil meinerseits handelt, mag jeder für sich entscheiden. Es sei jedenfalls als Nachtrag in dem Zusammenhang (wenn er denn so existiert) noch eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erwähnt, die in diesen Tagen durch die Medien geistert und antiziganistische Vorurteile der Deutschen quantifiziert – inklusive des Allzeit-Klassikers Kinderraub. Als Kalauerexperte muss ich mich natürlich auch fragen, warum man eine Institution, die Aufmerksamkeit schaffen soll, ausgerechnet mit ADS abkürzt?

Vom Kalauer zum Kauder ist es natürlich auch nicht allzu weit und damit sind wir schon beim Thema, das mehr oder weniger holprig an den letzten Artikel anknüpft (bei dieser Überleitung wird Gerhard Delling grün vor Neid). Continue reading Asylpolitik für Einsteiger mit der CDU