Monthly Archives: February 2016

So sehen Sieger aus

Hey Medien,

übermorgen finden wieder Vorwahlen in den USA statt. Bin mal gespannt, wie Bernie Sanders dieses Mal so dargestellt wird. Manche von Euch tun sich da ja ein wenig schwer. Und, Tagesschau, Ihr habt sicher trotz langer Suche kein besseres Foto auftreiben können – wenn aber Sanders als Sieger schon aussehen muss wie der leibhaftige Gottseibeiuns, dann müsst Ihr doch alle Daumen drücken, dass er in Nevada gewinnt, oder? Die Rakers hat ja so schon Angst sich umzudrehen.

Tagesschau_02-10-16

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Die Mitte ist immer ideologiefrei. Is’ so!

Früher war mehr Mitte. Bernie Sanders beim Plakate kleben.
Früher war mehr Mitte. Bernie Sanders beim Plakate kleben.

Die aktuellen Entwicklungen in Deutschland schreien ja geradezu nach Erklärungsversuchen und die Presse gibt sich alle Mühe. Der passendste Artikel dazu stand kürzlich in der Zeit und argumentiert, mehr oder weniger, dass sowohl Linke („Hyperkritik“) als auch Rechte („Ressentiments“) die Schuld tragen und anständige Konservative heutzutage „politisch mindestens bis zur AfD auswandern“ müssten, weil der Mainstream so nach links gerückt sei. Kann man so sehen, muss man aber nicht.¹ Die entscheidende Rolle spielt hier aber ohnehin, dass der ganze Artikel auf der Annahme basiert, der Rechtsruck in Deutschland sei auf keinen Fall wirtschaftlich zu erklären. Zitat:

„Und was haben wir heute? Dem Land ging es noch nie so gut – und es war noch nie so zerrissen. Die Arbeitslosigkeit ist so niedrig, wie sie es seit 1992 nicht mehr war. Der Finanzminister kann sich vor Überschüssen kaum retten. Die Renten erreichen Rekordhöhen, und selbst die Binnennachfrage, deren Schwächeln bisher immer als Beweis angeführt wurde, dass vom Wohlstand, der vom Exportweltmeister oben erwirtschaftet werde, unten nichts ankomme, selbst diese Binnennachfrage brummt nicht nur zur Weihnachtszeit dank kräftig gestiegener Löhne. Dies müssten eigentlich die klassischen Rahmenbedingungen für ein mit sich selbst zufriedenes Land sein, das den Wahlkampfslogan der CDU aus den achtziger Jahren wieder hervorkramen könnte: ,Weiter so, Deutschland!

Weiter so? Kann man das nicht auch anders sehen? Continue reading Die Mitte ist immer ideologiefrei. Is’ so!

Denken ist Glückssache

Gutefrage
Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Gute Frage. Man sollte zwar nicht immer allen Umfragen hinterherlaufen, aber der aktuelle Deutschlandtrend im „besten Deutschland, das wir je hatten“ (Gauck) lässt dann doch die Kinnlade weit nach unten klappen angesichts der Abgründe, die in den Köpfen der au­to­ch­thonen Dichter und Denker gähnen.

63% der Deutschen befürworten eine Flüchtlings-Obergrenze. Seehofer bspw. will die bei 200 000 ansetzen. Wie ab dem 200 001. Flüchtling vorgegangen werden soll, weiß offensichtlich keiner so recht.

53% wollen wieder allgemeine Grenzkontrollen einführen. Da freut sich die Wirtschaft.

77% der Deutschen befürworten Lager an den Grenzen, um schneller abschieben zu können. Aus den Augen, aus dem Sinn.

88% der Deutschen befürworten Leistungskürzungen für Flüchtlinge, die sich nicht integrieren lassen wollen. Woran genau will Ministerin Nahles das messen? Sprachkurs? Mülltrennung? Gartenzwerg?

78% der Deutschen befürworten die Einstufung Tunesiens, Marokkos und Algeriens als sichere Drittländer. Die dialektische Begründung liest sich ähnlich wie schon die für das Kosovo. Bei der Welt hat man bereits Torschlusspanik, wenn die Niederlande die Türkei zum sicheren Drittland erklären wollen und Deutschland bei irgendetwas nicht Erster ist – egal wie hirnrissig es auch sein mag. Die Norweger haben indessen Russland zum sicheren Drittstaat erklärt und vielleicht folgen ja Syrien, Afghanistan oder Eritrea auch bald, dann ist das Problem gelöst.

Ab 18 Jahren wird zurückgeschossen

Ergebnis einer weiteren Umfrage: 29% der Deutschen würden notfalls auf Flüchtlinge schießen lassen. Continue reading Denken ist Glückssache

Zu Sanders

Donald Trump. Oder Ted Cruz. Bei Unklarheit einfach mal den Kleber vom heute-Jounal fragen.
Donald Trump. Oder doch Ted Cruz?

Die USA sind ja schon schrill. Der Deutsche an sich und seine Leitmedien gruseln sich mit großem Vergnügen vor Trump und all den anderen Verrückten da drüben. Dabei können sich die Alpha-Journalisten natürlich immer darauf verlassen, dass ihr eigener „politischer Kompass“ (wie man so sagt) zuverlässig eingenordet und ihr Urteilsvermögen ungetrübt objektiv ist.

So mal wieder zu bewundern bei Claus Klebers Anmoderation der US-amerikanischen Vorwahlen im heute-Journal des vergangenen Sonntags: „Die Welt könnte vernünftige Führung brauchen. Doch morgen könnte die erste Vorwahl eine vertrackte Alternative einleiten, zwischen einem linken Träumer namens Bernie Sanders und einem größenwahnsinnigen Immobilienmogul namens Donald Trump.“

Rassisten, Fundamentalisten, Linke: Alles Spinner

Wie man eine vertrackte Alternative einleitet, weiß wahrscheinlich auch nur Kleber, aber wie man eine tendenziöse Berichterstattung einleitet, das weiß sogar der Kuno. In die gleiche Kerbe wie Kleber schlug übrigens auch die Süddeutsche Zeitung am Wochenende, als sie den rassistisch hetzenden Trump, den Tea-Party-Fundamentalisten Cruz und den „demokratischen Sozialisten“ Sanders ganz selbstverständlich in einen Topf warf. Tenor im heute-Journal und bei der SZ: Sind alle Spinner. Continue reading Zu Sanders