Monthly Archives: May 2015

Stunt der Woche (24)

Den ambitionierten Mountainbiker überholen und sich dann in dessen muskulösem Windschatten gemütlich durch die halbe Stadt ziehen lassen.

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Wer rastet, der postet

Reisen bringen ja bekanntlich Erkenntnisse und den folgenden Aphorismus könnte man direkt in Druck geben: Wer über deutsche Autobahnen tingelt, kommt an Raststätten nicht vorbei. Nicht schlecht, oder? Die deutschen Raststätten wurden jedenfalls anno 1998 endgültig privatisiert, die rot-grüne Regierung hat damals im Privatisierungsrausch alle Autobahnraststätten verhökert und dafür ganze 1,2 Milliarden Euro eingenommen. Sicher ein Bombengeschäft. Bei Wikipedia kann man heute noch nachlesen, dass eine der politischen Vorgaben dabei war, Monopole zu vermeiden. Das hat auch gut geklappt und so betreibt Tank&Rast nicht 100%, sondern nur 90% der etwa 400 Autobahnraststätten und hisst über der Hälfte die Serways-Flagge, damit’s nicht so auffällt und weil’s einfach cooler klingt. Continue reading Wer rastet, der postet

Feindbilder II

Hui, der Bahnstreik! So aufregend, aber so wenig Neues. Eigentlich könnte ich dasselbe schreiben, wie vor einem halben Jahr – es hat sich sowieso kaum etwas verändert. Die GDL besteht in weiten Teilen der öffentlichen Darstellung sowieso nur aus Weselsky (oder Putin oder Varoufakis, sind doch eh alle gleich), der natürlich keine Gewerkschaftsmitglieder und deren Interessen, sondern ausschließlich sein übergroßes Ego vertritt. Und der Schaden! Und dieser Bart! Darf der das? Der Gag mit dem Karussellbremser war übrigens vor fünfzehn Jahren bei Kalkofe mal lustig. Continue reading Feindbilder II

Stunt der Woche (23)

Coupé-Abo kündigen und den Spiegel kaufen. Geil, geil, geil:

Quelle: magazin.spiegel.de
Quelle: magazin.spiegel.de

Quälende Fragen werden hemmungslos beantwortet:

Sind mit „[s]elbstbewusst, mutig, tabulos“ wirklich die Forscher gemeint? Wie genau hat man sich es vorzustellen, wenn Lust vermessen wird – Maßband, Smartwatch oder bionischer Mmmm-Detektor wie weiland bei Nicholson Baker, der alten Wutz? Können Frauen mit dem Messergebnis dann endlich auch so etwas wie einen Schwanzvergleich anstellen? Reicht eine Packung Taschentücher aus?

Wie man Statistiken aufgöbelt

Ich liebe die FAZ und vor allem ihre Kommentatoren. Neben dem ulkigen Jasper von Altenbockum darf auch Heike Göbel, verantwortliche Redakteurin der Wirtschaft, das Publikum regelmäßig auf Linie bringen.

Streik? Verbrecher!

So geschehen dieser Tage in zwei kurzen Artikeln, mit denen sie dem FAZ-Leser das bestätigt, was der schon immer wusste: Streiks gehen gar nicht! Über den Bahnstreik habe ich ja vergangenen November schon geschrieben und viel geändert hat sich da eigentlich auch nicht. Die Medien folgen in weiten Teilen der Darstellung der Deutschen Bahn (die Gerichte taten dies interessanterweise bisher nicht) und Weselsky ist ein „Bahnsinniger“ (BILD), der heute wieder mal eine „irre Wut-Rede“ (Express) gehalten hat. Sprachlich weniger dämlich, aber inhaltlich ähnlich erbärmlich bezeichnete Heike Göbel den Streik vor einigen Tagen in der FAZ als „Geiselhaft“ der Reisenden. Und weil die Streikenden natürlich erst dann richtige Verbrecher sind, wenn sie tatsächlich illegal handeln, fordert sie: „Die Regierung sollte […] das Streikrecht begrenzen“. Alles, was Göbel dazu so aus ihrem Hirn leierte, liefe de dacto auf eine Abschaffung des Streikrechts hinaus. Reizend.

Streik? Gierlappen!

Gestern bekamen dann vorsorglich Erzieherinnen und Erzieher noch ihr Fett weg. Die wollen auch streiken, dabei geht’s denen noch viel zu gut! Zum Beleg setzt Göbel ihren Lesern dann allen Ernstes diese Grafik vor:

Quelle: faz.net

Junge, Junge, Alarmstufe Rot! Mal ganz davon abgesehen, dass beim Erziehergehalt die mehrjährige unbezahlte Ausbildung unerwähnt bleibt, dass die Hälfte der Erzieherinnen in Teilzeit arbeitet, dabei natürlich deutlich weniger verdient, öfter einen Zweitjob braucht oder auf lecker „Hartz IV“ aufstocken muss, dass sich ein großer Teil der Berufsgruppe schon mal auf Altersarmut freuen darf – sind die FAZ-Leser schon dermaßen sediert, dass sie nicht nur einen dermaßen dürftigen und willkürlichen Vergleich, sondern auch noch den „Handwerker“ als Vergleichsberuf schlucken? Man kann sich in Deutschland zu allem Möglichen ausbilden lassen, aber sicher nicht zum „Handwerker“. Und wetten, dass der ein oder andere „Handwerker“-Meister auch mehr als 2700€ brutto im Monat nach Hause bringt? Das Einsteigerseminar zum Frisieren von Statistiken sollte Göbel vorsichtshalber nochmals besuchen.

Bilder und blinde Flecken

In einem meiner Gespräche mit Professor Y (Name geändert) waren wir uns wieder mal einig, dass die relevanten Artikel in deutschen Zeitungen und vor allem in der ZEIT sowieso meistens im Feuilleton zu finden sind. Mal sehen, ob das auch für die aktuelle Ausgabe zutrifft.

Bernd Ulrichs Leitartikel nimmt diesmal viermal soviel Platz ein wie üblich und er braucht diesen Platz auch, denn es geht um das große Ganze: Wahrheit, das Flüchtlingsproblem und den Konflikt in der Ukraine, das Verhältnis zwischen EU und USA, einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens, Le Pen in Frankreich, den mittleren Osten, Griechenland, Terrorismus, Medienkrise usw. usf.

Gern vergessener Klimawandel

Der „gern vergessene Klimawandel“ (eine passend ambivalente Formulierung) ist Ulrich in seinem ellenlangen Kommentar immerhin einen ganzen Satz wert. Ist der denn weniger wichtig als alle anderen Krisen, fragt sich der ZEIT-Leser mit besorgtem Blick auf sein Bio-Kressebeet? Schauen wir mal ins Feuilleton; dort findet sich die Rezension des Buches „Das 6. Sterben“ von Elizabeth Kolbert, für das die Autorin politisch korrekt den Pulitzer-Preis erhalten hat.* Thema: Der Mensch zerstört seine eigene Lebensgrundlage und es ist alles noch viel schlimmer als gedacht. Rezeption: Allgemeines Gähnen. Continue reading Bilder und blinde Flecken