Monthly Archives: November 2016

Deine Ludder!

Gott im Himmel! Im Luther-Jahr kartätscht die Bibelgesellschaft diverse Bibel-Sondereditionen unters konsumwillige Betvolk (Editionen von Uschi Glas, Klaus Meine, Harald Glööckler etc.). Passt ja zur protestantischen Arbeitsethik und mithin zum Zeitgeist.

juergen

Die Edition des Hobby-Historikers Jürgen Klopp, die „so wie ich Gott kennengelernt habe“ (Klopp) sicher allerhöchsten Segen genießt, schafft es, sogar noch obszöner als der Rest vom Fest zu sein:

„Ich mag Luther, weil er für die Unterprivilegierten und Ausgeschlossenen gekämpft hat. Er war der Anwalt der kleinen Leute und hat viel dafür riskiert, damit wir ein positives Gottesbild haben können.”

Klingt ergreifend! Allerdings kämpft auch der Kuno für die Unterbelichteten und Angeschossenen und kann so dem Jürgen helfen, der bei all seinen Werbeauftritten vielleicht etwas die Übersicht verloren hat:

Die „kleinen Leute“, für die Luther gekämpft haben soll, sind alle außer Juden, Behinderten, Bauern, Untertanen im Allgemeinem sowie Pöbel und sonstige Ausgeschlossene im Besonderen. ML, wie ihn seine wahren Homies nennen, war dann auch eher weniger mildtätiger Heiliger und Rächer der Enterbten als bumsfideler Bauernfresser und Judenhasser vor dem Herrn. Trotzdem ‘ne schicke Bibel, Jürgen.

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One up (4)

one_up
Vor lauter Albernheit reimt sich Richard David Precht heute auf „Ich hab damit Recht.“

Endlich, endlich ist Kunos absoluter Lieblingsartikel der letzten Wochen online. In der taz des vergangenen Wochenendes hieß es zu Deutschlands Philosophie-Philosophen Richard David Precht:

„Er gehört zu dem exklusiven Kreis der deutschen Intellektuellen, die die sozialökologische Transformation und die sozialen Verwerfungen der Digitalisierung denken können, also politisch. Man muss ihn sehr ernst nehmen.“

Einen ganzen Sonntag kicherte der Kuno über diese zwei Power-Sätze und kriegt sich immer noch nicht ein. Danke, taz!

Stunt der Woche (43)

itonne7
This is 7!

iTonne 7 dramatically improves the most important aspects of your junk experience. The best performance and battery life ever in a Tonne. Immersive stereo handles. The brightest, most colorful and most circular iTonne display. Splash and water resistance. And it looks every bit as powerful as it is. This is iTonne 7. This is 7!¹

Tech Specs

Finish: Rose Gold, Gold, Silver (pictured), Testicle, Black, Jet Black

Capacity: 40l

Display: 16.1″ circular (!) Retina HD Display

Splash, Water, Orthography and Dust Resistant: Bam!

Chip: 35l Fusion-Müllsack

Camera: Snappy!

iTonne and the environment: We take a complete product life cycle approach to determining our environmental impact. 360°, baby. In other words: The paper packaging is mostly recycled, the completion of our assembly workers’ life cycle is mostly optional.

Watch the keynoteWatch the TV Ads Watch whatever

zeit-online_11-14-16
Dahinter steckt meist ein kluges Opfer.

Hey: Have you read Steve Jobs‘ biography, yet? So inspiring!
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¹ Get it, get it? “7” and “heaven”? Also the play on the quasi-sacral character of that thingy? Yes? By the way, how do you like Steve Jobs‘ biography?

Ambildvalenz (23)

welt_de_2016-11-05
Und das kann wirklich schwierig sein, Boris!

Boris Palmer! „Auch Leute, die man für ,kleingeistig hält, müssten ernst genommen werden“, erzählt Tübingens Oberbürgermeister der Welt bzw. leider nur der Welt. Schön, dass diese gleich per Layout illustriert, wer damit gemeint sein könnte. Nicht nur der AfD Zugeneigte (in Baden-Württemberg immerhin 15% der Wähler) wie Palmer meint, sondern wohl auch Menschen, die mal eben passende Flüchtlingszahlen erfinden, die das alte Lied vom guten Kriegsflüchtling (Syrien) und vom asozialen Wirtschaftsflüchtling (Balkan) anstimmen oder die dämliche Räuberpistolen verbreiten wie etwa die von den blonden Professorentöchtern und den Arabern. Wie kleingeistig er auch immer sei, ernst nehmen sollte man den Palmer trotzdem nicht allzusehr – es ist nur leider äußerst schwierig, ihn zu tolerieren, wenn er alle paar Tage sein Gesicht in die Medien hält und Dinge erzählt.

Ebenfalls in Toleranz üben muss man sich bei anderen Spitzengrünen Schwaben wie Günther Oettinger, der (passend zum letzten Post) ebenfalls in der Welt vom Chefredakteur persönlich in Schutz genommen wurde, weil er als „ein Mann der Mitte“ ja gar nicht rassistisch oder homophob sein kann.  Un-mög-lich. Hallo?

In eine ähnliche Kerbe schlug bzw. twitterte der geborene Schwabe Claus Kleber vom ZDF: „Wo nur noch von Imageberatern, PC-Tugendwächtern und Juristen abgeschliffenes Zeug geredet wird, möchte ich weder Redner noch Zuhörer sein.“ Heißt das im Umkehrschluss, dass Kleber in seiner Eigenschaft als Honorarprofessor die Tübinger Studierenden auch hier und da mit erfrischendem Zeug wie „Schlitzauge“ und „Pflicht-Homoehe“ oder auch „Nigger“, „Fotze“ und „Schwuchtel“ statt dem abgeschliffenen PC-Krempel erfreut?

Recht leer im VIP-Bereich

Dem Kuno ist recht einerlei, ob der Oettinger jetzt ein homophober Rassist ist oder nicht. Er interessiert sich sowieso nur noch für den VIP-Bereich der Meta-Ebene, wo es angenehm leer ist und die Getränke umsonst sind. Dort hat man Muße, sich zu fragen, ob der Kleber oder der Poschardt von der Welt bei „Schlitzaugen“-Äußerungen von, sagen wir mal, Frauke Petry oder Björn Höcke zu ähnlichen Apologien angesetzt hätten.

Bobele Palmer jedenfalls – zur Erinnerung: Bürgermeister einer mittelgroßen Stadt – erteilt wenig überraschend einer linken Koalition im Bund (falls jemand auf die Idee kommen sollte, SPD und Grüne für linke Parteien zu halten) eine klare Absage: Über Verteilungsfragen diskutieren sei voll okay, aber hey: „Zur Erhöhung von Steuern sind andere Parteien vor uns gegründet worden.“ Es bleibt rätselhaft, welche Steuererhöhungs-Partei genau gemeint sein könnte (Die Linke ist bekanntlich jünger als die Grünen; hm, SPD? Union? Oder doch die FDP?), aber mit solch kernigen Aussagen liegt Palmer natürlich voll auf der grünen Linie, die man südlich des Spätzle-Äquators pflichtbewusst abschreitet.

Und wie sagte Palmers Silberrücken neuerdings noch im TV? „Über die Strecke gesehen ist mir der Seehofer doch näher“ – als die Zecke Ramelow. Auch nicht schlecht. Und im Gegensatz zur Meinung mancher Kritiker sind Kretschmann und auch der Spaßmacher Palmer mitnichten in der falschen Partei, sondern genau da, wo sie hingehören: In einer Partei, die spätestens bei all den „Sachzwängen“ des Regierens den Ballast ihrer Grundsätze fröhlich über Bord wirft.