Monthly Archives: March 2016

Triumph des Schrillen

So, nun sind die Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz über die Bühne gegangen und die Analysemaschine läuft. Die Deutschen sind wahlweise cool geblieben oder durchgedreht oder beides, kommt immer darauf an, wen man fragt. Tatsache ist, dass die AfD große Erpholge, ja sogar Triumpfe gefeiert hat, die erklärt werden wollen.

Quelle: spiegel.de/spam
Quelle: Spiegel-online auf Twitter

Die eleganteste und kürzeste Variante liefert die FAZ für Sachen-Anhalt: Die SED ist schuld. Wegen DDR und so könnten die Ossis das mit der Demokratie noch nicht besonders gut, aber das sei bitte auch „kein Grund für Hochmut“.

Ähnlich einfach und beruhigend ist die Information, dass der überwiegende Teil der AfD-Wähler sein Kreuzchen nicht etwa aus Überzeugung, sondern lediglich aus Unzufriedenheit mit den anderen Parteien gemacht habe.       Continue reading Triumph des Schrillen

Die Theatralisierung des Abendlandes

Tragödien, überall Tragödien. Wenn ein Politiker (wahrscheinlich) Drogen nimmt, ist das eine Tragödie, letztes Jahr gab es die griechische Tragödie zu bestaunen, dieses Jahr die Fluchtlingstragödie und jetzt sogar beides zusammen. Frisst das Theater die Realität, also das Abendland? Und was für ein Stück wird da eigentlich aufgeführt?
Herakles_Musei_Capitolini

Deutschlandradio Kultur weiß: „Unsere Bundeskanzlerin durchlebt im wahrsten Sinne des Wortes ein griechisches Drama. Homer hat es erzählt. Eine Herkulesaufgabe hat Angela Merkel zu bewältigen.“ Im politischen Feuilleton zu behaupten, Homer habe Dramen erzählt, klingt auch irgendwie dramatisch, aber dann doch eher nach Komödie. Und während in der attischen Tragödie gute und böse Charaktere ihrem Schicksal entgegengehen, ist für Witzfiguren das Format der Komödie reserviert.

Kurz
Der österreichische Außenminister Kurz etwa, der noch vor einigen Jahren mit dem „Geilomobil“ durch Österreich tourte (Motto: „Schwarz macht geil!“, inklusive fescher Hostessen, Kondomverteilung und was seriöse Politik sonst so ausmacht), passt da recht gut. Heute will der Mann sich ja als harter Hund (oder, um auf dem Niveau des Deutschlandradio-Feuilletons zu bleiben, als erymanthische Wildsau) profilieren und stellt klar, sein Land sei mit der Aufnahme von 90 000 Flüchtlingen im Jahr 2015 „schlicht und ergreifend überfordert“. Ergo: Grenzen dicht bis runter nach Mazedonien, sollen die Griechen doch alleine klarkommen. Continue reading Die Theatralisierung des Abendlandes