Monthly Archives: April 2016

Dissonanter Dachschaden

Immer wenn man glaubt, das Ende der menschlichen Dummheit müsse doch endlich mal erreicht sein, springt Einstein aus der Kiste und streckt die Zunge heraus.

faz-net_2016-04-30

Endlich ein offenes SUV“ begeistert sich die FAZ und findet, „die Idee birgt einen gewissen Charme“. Schlauchbootlippen oder Atompilze bergen auch einen gewissen Charme, kommt immer darauf an, wen man fragt. Hier wird man jedenfalls den Verdacht nicht los, dass selbst ein zehn Tonnen schweres SUV mit Rindfleischverkleidung und Düsenantrieb ähnlichen Jubel hervorriefe.

Atmungsaktivität

„Jetzt unternimmt Land Rover den Versuch, das SUV-Angebot um eine besonders atmungsaktive Facette zu bereichern.“ Mal abgesehen von der Schnappatmung, die solche Katachrese beim Korrekturlesen auslösen sollte, schafft die Karre einen atmungsaktiven CO2-Ausstoß von 150-190g/km. Derlei Öko-Firlefanz verkneift sich der Text natürlich, weist aber darauf hin, dass die zwei Tonnen Anachronimus auch zum Ausflug nach Kitzbühel taugen, weil sich ein Teil der Rückbank sensationellerweise für den Transport der Ski umklappen lässt. Stößchen!

Was soll die Aufregung?

Nun gut, die Deutschen sind also wild auf dicke Autos und das SUV-Gehampel – Dafür? Dagegen? In Weiß ein No-Go? Also, ich kauf’ nur Bio! – ist zugegebenermaßen kaum mehr zu ertragen. Wozu also die Aufregung?

Das Weltklima wird ja (größtenteils) nicht am Autoverkehr zugrunde gehen. So richtig verhunzt wird es in den atmungsaktiven Facetten anderer Sektoren und, nachdem es in Paris theroetisch gerettet wurde, vor allem in der Praxis. Das weiß auch die FAZ. Da müsste doch z.B. die Tatsache, dass in den USA Obamas Vorhaben zur Reduktion von Kraftwerks-Emissionen seit Februar vom Supreme Court auf Eis gelegt worden ist, das Gemüt wesentlich mehr erhitzen, oder?

Eigentlich schon. Ist aber so anstrengend, alles aufzuschreiben. Das Bild eines SUV-Cabriolets dagegen und die debile Begeisterung im Artikel gerade dieser Zeitung sind, pars pro toto, das perfekte Abbild eines Zeitgeists, der offensichtlich erlaubt, gleichzeitig Öko-Weltmeister und SUV-Burger-Apple-Billigflug-Opfer zu sein. Individuell lackiert, leistungsstark, bequem ausgestattet und sehr, sehr dumm.

Der Deutsche hat die Hosen an

Bevor Deutschlands meistzitierter Ökonom Hans-Werner Sinn in den Ruhestand geht, begibt er sich nochmal auf Interview-Abschiedstournee und stattet sogar den Wirtschaftsfeinden bei der taz einen Besuch ab. Es lohnt sich, dieses Interview zu lesen, weil Sinns Argumentation stellvertretend für die einer ganzen Politiker- und Ökonomengeneration stehen dürfte.

Interessant ist dabei zuerst die Haltung zum Lohnniveau: „Nachfrageseitig dürfen die Löhne hochgezogen werden, aber man darf sie nicht hochzwingen.“ Das verstehen nicht nur die Interviewer nicht so ganz, es deckt sich auch nicht mit Sinns üblichen Forderungen nach Lohnsenkungen. So wie im Interview mit der Zeit im Oktober 2015, als Deutschlands Über-Ökonom den Mindestlohn (dieses Mal wegen der Flüchtlinge) abschaffen und „das Rentenalter heraufsetzen“ wollte (was nichts anderes als eine Lohnsenkung ist).

Die Kunst, in jedem Fall Recht zu haben

Ist da also jemand altersmilde geworden? Nicht ganz, denn Sinn liefert erstmal eine fulminante Verteidigung seiner Ablehnung des Mindestlohns: Ohne diesen hätte es 900000 Arbeitsplätze mehr gegeben. (Wohlgemerkt, 900000 Arbeitsplätze, bei denen man in Vollzeit mit 1360€ im Monat nach Hause geht – brutto, versteht sich. Wie viel die vier Millionen Betroffenen wohl vorher so verdient haben?) Diese These ist natürlich absolut wasserdicht, weil sie weder beleg- noch widerlegbar ist und im Zweifelsfall die Prognose ja sowieso nicht von Sinn stammt. Recht haben ist vor allem eine rhetorische Kunst, das weiß auch der Ökonom. Continue reading Der Deutsche hat die Hosen an

Ambildvalenz (20)

Fast so geil schlimm wie Hotpants. Ad-Blocker gibt’s ja glücklicherweise schon. Warum eigentlich keine News-Blocker? Dann müsste man das ganze Elend beim Mailanbieter nicht mehr sehen.

Web_de_04-11-2016

Wenn Ihr aber schon dabei seid, liebe Feminist*innen von Web.de, dann lernt doch gleich von den Besten. Bei Focus-Online wird die Meldung ganz seriös mit Heiko Maas illustriert. Unter dem Artikel folgt dann ein Video, in dem die schlimmen, schlimmen Beispiele…¹

Focus_de_04-11-2016

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¹ Kuno muss hier abbrechen und unbedingt dieses Video anklicken! Alter!

[Nachtrag: Sorry! Auch Welt.de beherrscht das Handwerk. Deren Video mit reichlich Beispielen (man muss ja mitreden können) beginnt auch noch mit einem Werbespot für einen dieser Ganzkörper-Laser-Haarentferner für Frauen, in dem natürlich eine halbnackte Frau rumturnt. Das richtet sich dermaßen mutig gegen Mainstream und Meinungsdiktat, dass Kuno sich schon fragt, ob Harald Martenstein neuerdings auch für Springer arbeitet.]

Zeitung lesen und bis Drei zählen

Zeitung lesen soll ja schlau machen und deshalb versucht Kuno sich heute mal an der SZ am Wochenende. Die Überschriften passt er dabei dem snappy SZ-Dossiernamen „Buch Zwei“ an (schon was gelernt).

Zeitung Eins

Die Süddeutsche ist bekanntlich Teil des Rechercheverbunds, der für die Panama Papers verantwortlich zeichnet und so wird man auf der zweiten Seite der Zeitung über den aktuellen Stand der Dinge informiert. Nebenbei liest man auch zum soundsovielten Mal, wie vor allem Deutschland wieder den Rächer der Enterbten markiert. Genug zu tun gäbe es ja, denn Deutschland – Weltmeister aller Klassen – steht auch im Steueroasen-Ranking in den Top Ten (und damit vor Panama).

Was man von den obligatorischen politischen Lippenbekenntnisse zu den Panama Papers grundsätzlich halten sollte, hat Kunos Lieblingsökonom Heiner Flassbeck in der taz zusammengefasst: „Steuern senken und Geld vermehren: Wer diese Praxis jahrelang gepredigt hat, sollte sich über die Offshore-Leaks jetzt nicht wundern.“ Amen!

Bild_Aktion
BILD verlieh Sigmar Gabriel (damals MP Niedersachen) und Angela Merkel (damals Oppositionschefin) seinerzeit einen Orden, weil sie diese fetzige Kampagne unterstützten.

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Hier könnte Ihr Panama-Kalauer stehen!

Beinahe pünktlich zu Ostern: „Superreiche verstecken 21 Billionen Dollar!“ Aha, die Panama Papers, denkt der schlaue kunotes-Leser jetzt. Aber diese griffige Schlagzeile fand sich schon vor drei Jahren in der Welt, der Artikel bezog sich auf eine Studie aus dem Jahr 2012 sowie den Fall Zumwinkel aus dem Jahr 2008. Ebenfalls 2013 lief auch schon die Dokumentation „Zeitbombe Steuerflucht“ bei Arte. Alles alte Hüte.

Heute aktuell: Panama

Jetzt also die Panama Papers. Die lumpigen 200.000 Unternehmen, um die es in den Dokumenten geht, passen übrigens in der US-Steueroase Delaware in ein einziges Bürogebäude, das auch nicht gerade ein gigantischer Wolkenkratzer ist:
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