Monthly Archives: December 2015

Platte der Woche (14)

Kuno macht den Schäuble und schnallt den Gürtel auf der Suche nach der Schwarzen Null enger. So bestehen die Top Ten des Jahres 2015 nur aus fünf Platten. Afelan ist sogar schon 2013 erschienen, aber ich habe die Platte erst dieses Jahr gekauft und mache die Regeln meiner Jahrescharts selbst. Ansage!

Djrum: Plantain [Samurai Red Seal]

Milo: So The Flies Don’t Come [Ruby Yacht]

Tapes Meets The Drums Of Wareika Hill Sounds: Datura Mystic [Honest Jons]

Mdou Moctar: Afelan [Sahelsounds]

Open Mike Eagle: A Special Episode Of [Mello Music Group]

 

 

 

Heidewitzka!

Am Rande des Wohlfühlparteitags der CDU forderte die Junge Union, die Nationalhymne ins Grundgesetz zu meißeln, um allen Fremdlingen zu zeigen, „dass unsere Nationalhymne das ausdrückt, was wir fühlen“. Leitkultur halt. Übrigens das Unwort des Jahres 2000, deshalb zurecht fester Bestandteil des CSU-Grundsatzprogramms seit 2007 (S. 144) und stumpfes, aber auch heute noch gern benutztes Instrument im intellektuellen Premium-Diskurs.

Zurück zur Musik: Eingeführt bzw. wiedereingeführt wurde das nicht unumstrittene Deutschlandlied 1952 auf Initiative Konrad Adenauers. Kurze Zeit später reiste dieser in die USA und Kuno, der seinerzeit mit Konrad schon vom Zehner gesprungen war, flog als Berater für Fragen selbstverständlich mit nach Chicago. Die Kapelle dort intonierte allerdings statt des Deutschlandliedes den Karnevalsschlager „Heidewitzka, Herr Kapitän“.

Konni war not amused, Kuno hingegen kam aus dem Kichern gar nicht mehr heraus und ward sehr schnell nicht mehr Teil der Delegation. (Das lässt sich übrigens lückenlos belegen, weil Kunos Name aus allen Auzeichnungen zu diesem Staatsbesuch getilgt wurde und nirgends mehr auffindbar ist. Fakt.) Wenn die Reaktion im Ausland jedes Mal so ausfällt, sollte sich die Junge Union unbedingt durchsetzen. Deutschlands Sympathiewerte müssten doch ins Unendliche steigen, wenn Merkel beim Staatsempfang feierlich „Echte Fründe“ oder „Ich hab’ drei Haare auf der Brust“ vorgetrötet wird.

Spendungsbewusstsein

Liebe Medien, liebe people

inzwischen haben die meisten von Euch ja kapiert, dass der Facebook-Zuckerberg vielleicht doch nicht der Messias ist. Der Messias ist immer noch Bill Gates, ihm seine Frau und Bono. Ist so.

Warum aber immer noch jeder und seine Mutter wider besseres Wissen in jeder Schlagzeile zum Thema das Wort „spenden“ benutzt, wenn Marky ankündigt, seine Kohle irgendwann mal („during our lives“) an das US-Pendant einer GmbH fließen zu lassen, die damit zwar Gutes tun soll („advance human potential“), die ihm aber wiederum höchstselbst gehört und wenn er dabei voraussichtlich kräftig Steuern sparen wird – das muss mir mal einer erklären. Gibt’s da kein anderes Wort außer „spenden“?

Zugegeben, der Brief der Zuckerbergs an ihre Tochter ist in seiner Länge und seiner klebrig-pathetischen Philanthropenpose kaum zu ertragen – aber trotzdem sollte selbst Euch, liebe Medien, auffallen, dass da von „Stiftung“ und „spenden“ nichts steht. Gar nichts. Wenn ich meine 10 Euro Barvermögen vom Festgeld- aufs Girokonto verschiebe und ankündige, die ganze Kohle demnächst dem Roten Kreuz in die Klingelbüchse zu stecken, ist das noch keine Spende, oder?

Auf dem Niveau kann man ja gleich Betroffenheits-Altmeister Bob Geldof den Journalismus überlassen.

Quelle: Spiegel.de

Oder mir.

Herzlichst

Ihr

Kuno Franz-Josef Wagner-Chan

(Spendet sich jetzt erstmal eine Flasche Rotwein.)