Volksfeinde und nationale Anstrengungen

Bei der Überschrift ist die Aufmerksamkeit doch garantiert. Nach einer kleinen Pause meldet sich der Kuno mit drei kurzen Kommentaren zu beliebten Themen der Nation zurück: Flüchtlinge, Inflation und Schulden. Da ist doch für jeden ein Lieblingsfeind dabei!

Dieses Jahr hat sich Kuno zu den Ereignissen in Köln erstmal zurückgehalten und abgewartet, bis das Gebrüll leiser geworden ist. Könnte sich gelohnt haben, denn nachdem die Polizei erst behauptete, dass die meisten der über 600 Verhafteten Nordafrikaner seien, korrigiert sie sich nun. Schlappe zwei Wochen wurde offenbar tapfer gezählt und das Ergebnis: Unter den Verhafteten waren 17 Marokkaner und 13 Algerier.*

Da war das Kind natürlich schon in den Brunnen gefallen, der Kulturkrampf in vollem Gange und man las Dinge, die man kaum für möglich hielt. Ein willkürliches und drastisches Beispiel ist Jasper von Altenbockum, der in der FAZ von „Leitkultur nordafrikanischer Prägung“ schrieb. Fehlt noch der Hashtag #kulturbereicherer, dann kann man das problemlos in jedem Nationalisten-Newsfeed unterbringen.

Man kann kaum das ganze Gesülze wiedergeben, aber viele Kommentare klangen ähnlich wie die Darstellung der unvermeidlichen Alice Schwarzer oder des „Innenexperten“ Schuster von der CDU: Junge Nordafrikaner hätten es auf eine Machtprobe mit dem Staat angelegt.*

Inzwischen ist die Aufmerksamkeitskarawane längst weitergezogen und die „nationale Kraftanstrengung“ (Zitat Merkel, und was für eins) bei Abschiebungen insbesondere in Maghreb-Staaten, die v.a. eine Reaktion auf den nordafrikanischen Weihnachtsmarktattentäter war, wird durch die verspätete Korrektur der Polizei wohl kaum mehr aufgehalten.

Volksfeind Inflation

Die zweite große Geißel der Deutschen neben Ausländerhorden ist (long time, no see) die Inflation. Zum Thema Deflation hat der Kuno hier ja auch schon öfter geschrieben und vielleicht hat er auch völlig unrecht mit seinem Geschreibsel, wo doch jetzt die Inflation sprunghaft auf 1,7% gestiegen ist. Nun setzt allenthalben wieder Schnappatmung ein: „Angriff auf unser Geld“ schrie schrieb die FAZ und andere schlugen in die gleiche Kerbe.

Hier eine kurze Einordnung, bevor jemand losrennt und Aktien kauft, was die FAZ allen Ernstes als Lösung vorschlägt: Erstens, die 1,7% beziehen sich auf den Dezember, über das Jahr gesehen sieht das schon ganz anders aus. Zweitens lägen selbst 1,7% noch unter der Zielinflationsrate in Europa. Eine Null-Inflation war und ist nie das Ziel gewesen. Drittens könnte man zart darauf hinweisen, dass die Preise bis auf Öl und (Überraschung) Mieten immer noch kaum steigen.

Aber wen interessieren Fakten, wenn man kämpfen kann? „Höchste Zeit sich zu wehren“, fordert die FAZ. Gemeint ist natürlich gegen den Italiener Draghi, der wieder an allem Schuld ist und „uns“ enteignen will. Mit „uns“ ist, viertens, aber nicht der gesamte astrale Volkskörper, sondern eher nur das typische FAZ-Publikum gemeint, denn: „Für fast jeden zweiten Bundesbürger wäre es ein Fortschritt, überhaupt Ersparnisse zu haben, die er oder sie sich dann von Mario Draghi wegfressen lassen darf.“ Ein schönes Zitat und ein interessanter Artikel, der die ganze Inflationsneurose schön zusammenfasst.

Volksfeind Schuldenberg

Die dritte große Angst der Deutschen ist der Schuldenberg. Doch zum Glück gibt es die Schwarze Null im Chefsessel des Finanzministeriums. Diese hat höchstpersönlich einen Überschuss von etwa 6 Milliarden Euro eingefahren, was einem Überschuss von ca. 0,6% entspricht. Deutschland geht es gut, die Wirtschaft „brummt“, mit dem Geld kann man ja Schulden tilgen etc. pp. Bliebe man bei diesem Mantra, könnte man sich die Fragen stellen, warum die stärkste, schönste und tollste Volkswirtschaft Europas einen Überschuss von 0,6% erwirtschaftet und warum „die Institutionen“, also nicht zuletzt Schäuble, vom Krisenland Griechenland (auch ein Lieblingsfeind der Deutschen) verlangen, bis 2018 einen Überschuss von 3,5% aus dem Hut zu zaubern?

Wenn man dann noch einkalkuliert, dass Deutschland mitnichten „die Investitionen weiter massiv gestärkt“ hat, wie Schäuble behauptet, sondern einen gigantischen Investitionsstau vor sich herschiebt, erkennt man langsam die Dimension des ganzen Wahnsinns.

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* Ja, die meisten Verhafteten waren trotz allem Ausländer und ja, es gibt in NRW ein Problem mit kriminellen nordafrikanischen Männern. Aber die „Machtprobe“ mit dem Staat, die marodierende Nafri-Horde am Hauptbahnhof, die für so viele Diskussionen gesorgt hat – die hat es offensichtlich nicht gegeben.

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