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Ambildvalenz (23)

welt_de_2016-11-05
Und das kann wirklich schwierig sein, Boris!

Boris Palmer! „Auch Leute, die man für ,kleingeistig hält, müssten ernst genommen werden“, erzählt Tübingens Oberbürgermeister der Welt bzw. leider nur der Welt. Schön, dass diese gleich per Layout illustriert, wer damit gemeint sein könnte. Nicht nur der AfD Zugeneigte (in Baden-Württemberg immerhin 15% der Wähler) wie Palmer meint, sondern wohl auch Menschen, die mal eben passende Flüchtlingszahlen erfinden, die das alte Lied vom guten Kriegsflüchtling (Syrien) und vom asozialen Wirtschaftsflüchtling (Balkan) anstimmen oder die dämliche Räuberpistolen verbreiten wie etwa die von den blonden Professorentöchtern und den Arabern. Wie kleingeistig er auch immer sei, ernst nehmen sollte man den Palmer trotzdem nicht allzusehr – es ist nur leider äußerst schwierig, ihn zu tolerieren, wenn er alle paar Tage sein Gesicht in die Medien hält und Dinge erzählt.

Ebenfalls in Toleranz üben muss man sich bei anderen Spitzengrünen Schwaben wie Günther Oettinger, der (passend zum letzten Post) ebenfalls in der Welt vom Chefredakteur persönlich in Schutz genommen wurde, weil er als „ein Mann der Mitte“ ja gar nicht rassistisch oder homophob sein kann.  Un-mög-lich. Hallo?

In eine ähnliche Kerbe schlug bzw. twitterte der geborene Schwabe Claus Kleber vom ZDF: „Wo nur noch von Imageberatern, PC-Tugendwächtern und Juristen abgeschliffenes Zeug geredet wird, möchte ich weder Redner noch Zuhörer sein.“ Heißt das im Umkehrschluss, dass Kleber in seiner Eigenschaft als Honorarprofessor die Tübinger Studierenden auch hier und da mit erfrischendem Zeug wie „Schlitzauge“ und „Pflicht-Homoehe“ oder auch „Nigger“, „Fotze“ und „Schwuchtel“ statt dem abgeschliffenen PC-Krempel erfreut?

Recht leer im VIP-Bereich

Dem Kuno ist recht einerlei, ob der Oettinger jetzt ein homophober Rassist ist oder nicht. Er interessiert sich sowieso nur noch für den VIP-Bereich der Meta-Ebene, wo es angenehm leer ist und die Getränke umsonst sind. Dort hat man Muße, sich zu fragen, ob der Kleber oder der Poschardt von der Welt bei „Schlitzaugen“-Äußerungen von, sagen wir mal, Frauke Petry oder Björn Höcke zu ähnlichen Apologien angesetzt hätten.

Bobele Palmer jedenfalls – zur Erinnerung: Bürgermeister einer mittelgroßen Stadt – erteilt wenig überraschend einer linken Koalition im Bund (falls jemand auf die Idee kommen sollte, SPD und Grüne für linke Parteien zu halten) eine klare Absage: Über Verteilungsfragen diskutieren sei voll okay, aber hey: „Zur Erhöhung von Steuern sind andere Parteien vor uns gegründet worden.“ Es bleibt rätselhaft, welche Steuererhöhungs-Partei genau gemeint sein könnte (Die Linke ist bekanntlich jünger als die Grünen; hm, SPD? Union? Oder doch die FDP?), aber mit solch kernigen Aussagen liegt Palmer natürlich voll auf der grünen Linie, die man südlich des Spätzle-Äquators pflichtbewusst abschreitet.

Und wie sagte Palmers Silberrücken neuerdings noch im TV? „Über die Strecke gesehen ist mir der Seehofer doch näher“ – als die Zecke Ramelow. Auch nicht schlecht. Und im Gegensatz zur Meinung mancher Kritiker sind Kretschmann und auch der Spaßmacher Palmer mitnichten in der falschen Partei, sondern genau da, wo sie hingehören: In einer Partei, die spätestens bei all den „Sachzwängen“ des Regierens den Ballast ihrer Grundsätze fröhlich über Bord wirft.

Ambildvalenz (20)

Fast so geil schlimm wie Hotpants. Ad-Blocker gibt’s ja glücklicherweise schon. Warum eigentlich keine News-Blocker? Dann müsste man das ganze Elend beim Mailanbieter nicht mehr sehen.

Web_de_04-11-2016

Wenn Ihr aber schon dabei seid, liebe Feminist*innen von Web.de, dann lernt doch gleich von den Besten. Bei Focus-Online wird die Meldung ganz seriös mit Heiko Maas illustriert. Unter dem Artikel folgt dann ein Video, in dem die schlimmen, schlimmen Beispiele…¹

Focus_de_04-11-2016

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¹ Kuno muss hier abbrechen und unbedingt dieses Video anklicken! Alter!

[Nachtrag: Sorry! Auch Welt.de beherrscht das Handwerk. Deren Video mit reichlich Beispielen (man muss ja mitreden können) beginnt auch noch mit einem Werbespot für einen dieser Ganzkörper-Laser-Haarentferner für Frauen, in dem natürlich eine halbnackte Frau rumturnt. Das richtet sich dermaßen mutig gegen Mainstream und Meinungsdiktat, dass Kuno sich schon fragt, ob Harald Martenstein neuerdings auch für Springer arbeitet.]

Ambildvalenz (17)

Sieht jeder, oder? Wenn das Absicht von der Welt-Redaktion war, spendiere ich ’ne Wurst.

Quelle: welt.de
Screenshot: welt.de

Wen’s interessiert: Die feinen Unterschiede in der Berichterstattung über den Schweinefleisch-Hirnriss z.B. hier und bei Welt-online, wo eine „Forscherin“ (meint: Historikerin) zum Thema interkulturelle Aufklärungsarbeit leistet: „Es ist schwierig, ein Lebensmittel zu finden, das in den Dänen so verankert ist wie das Schwein.“ Und weiter: „Das ist wohl die wesentliche Ursache dafür, dass das Schweinefleisch immer wieder politisch gebraucht wird.“

Also: Patriotisches Schweinefleisch, aufgestanden zur Verteidigung des Abendlandes!