Monthly Archives: November 2015

Wir gehen mir auf den Geist

Heute heißt es stark sein und kämpfen, denn der Artikel ist lang. Für alle Ungeduldigen hier die Kurzversion: Kuno geht dieses omnipräsente ,Wir‘ gehörig gegen den Strich. So wie alle, die gerne zum Bildungsbürgertum gehören wollen, sucht natürlich auch Kuno Halt und Orientierung bei der ZEIT, die immer alles so schön erklärt.

Quelle: ikiosk.de

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Bitte radikalisieren Sie sich nur in den dafür vorgesehenen Städten. Danke!

Thomas „Ich weiß ganz furchtbare Dinge, an denen normale Menschen wie Sie sofort total kaputtgehen, aber ich will Sie nicht verunsichern“ de Maizière empfiehlt aktuell, dass Angehörige, Kollegen, Mitschüler, Freunde eine mögliche islamistische Radikalisierung in ihrem Umfeld melden sollen. Vielleicht schwebt ihm vor, dass sie sich direkt an die Behörden wenden, aber wenn jemand damit ein (durchaus nachvollziehbares) Problem hat – wohin wendet der sich?

Am besten an einen der Kooperationspartner des Bundesamts für Migration (und teilweise auch des Innenministeriums), die seit 2012 im Bereich der Deradikalisierung bei islamistischen Tendenzen arbeiten.

Sie wollen sich radikalisieren? Gerne, aber dann bitte genau hier:

Leider kamen im Bundesamt und im Bundesministerium offenbar nur bestimmte Städte für das, äh, Bräventionsangebot in Frage: Bonn (Hayat), Bochum (IFAK), Berlin (Beratungsstelle Radikalisierung) und Bremen (Kitab). Wer sich woanders radikalisiert, hat Pech gehabt oder muss halt länger warten.

Kitab in Bremen ist bspw. für ganz Norddeutschland zuständig und beschäftigt zwei Mitarbeiter – auf zwei halben Stellen, versteht sich.¹ Wenn man sich jetzt die Fragen stellt, wie Deutschland so Präventionsweltmeister werden kann und wie symptomatisch es für den Westen ist, auf Sozialgedöns zu pfeifen und die ganze Kohle lieber in zünftige Kriegsführung zu stecken – dann könnte wirklich „ein Teil der Antwort die Bevölkerung verunsichern“.

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¹ Was übrigens schon seit letztem Jahr bekannt gewesen ist.

#brayforparis

FAS_11-15-15
Quelle: faz.net

Die Titanic veröffentlichte nach den Anschlägen von Paris eine Liste „Was in den nächsten Wochen passieren wird“. Hier der schonungslose Fanboy-Faktencheck:

Online-Medien werden interaktive Karten erstellen, auf denen sich nachvollziehen läßt, wer wo wie erschossen wurde und wann die Attentäter eine Pinkelpause eingelegt haben (bereits geschehen).“

Fakt. Noch besser: Der Guardian veröffentlicht eine interaktive Galerie mit Fotos, Klarnamen, Berufen von Opfern. Man will gar nicht wissen, was die Boulevardpresse so alles treibt.

Viele Menschen werden ihre Zweifel an der großen Anteilnahme anderer Menschen zum Ausdruck bringen, indem sie in den sozialen Netzwerken darauf hinweisen, wie albern die neuen Profilbilder doch sind (bereits geschehen).“

Fakt. Darüber hinaus teilen Menschen auf Facebook Bilder von Kerzen, um „Mitgefühl für die Hinterbliebenen zu zeigen“ und ihrer Auffassung nach ein Zeichen gegen Terrorismus zu setzen. Andere wiederum finden auch das albern.

Horst Seehofer wird die Gelegenheit nutzen, um … (bereits geschehen)“

… stärkere Grenzkontrollen zu fordern. Fakt. Sein Schoßhündchen Söder darf schon mal auf Twitter Stöckchen apportieren: „#ParisAttacks ändert alles. Wir dürfen keine illegale und unkontrollierte Zuwanderung zulassen.“

Und sonst so?

Mal sehen: Der Anschlag „ändert alles“, er wird „Europa ein anderes Gesicht geben“, „Europa wird nicht mehr so sein, wie wir es kennen“, eine neue Zeitrechnung hat begonnen und den Terror nach Europa gebracht (taz, Printausgabe). Wie schon Madrid 2004, London 2005 und Paris im Januar 2015.

Der Anschlag hat eine „neue Qualität“. Ach nein, das war ja beim Anschlag auf Charlie Hebdo. Wir sehen „eine neue Qualität von Terror“. Der Januar ist lange her.

Springer-Vorstand Döpfner steigt schon kräftig angeknockt in den Ring und fordert in einem bemerkenswert wirren Artikel eine radikale Mitte des „wehrhaften Stolzes auf Aufklärung, Rechtsstaat und Menschenrechte“. Wer hingegen „laviert und toleriert“, verrät Aufklärung, Rechtsstaat und Menschenrechte. Technischer K.o. Riechsalz!

„Der IS wartet nur auf eine Kriegserklärung“.

Der IS bekommt seine Kriegserklärung von Hollande.

Der IS bekommt einen „Weltkrieg“ von der Presse (FAS, siehe oben, Handelsblatt).

„Paris ändert nicht alles“.

Es war nicht alles schlecht.

„Börsen erholen sich zügig von Anschlägen in Paris“.

+++ EILMELDUNG +++ Dieses neue Thema verlangt jetzt Ihre volle Aufmerksamkeit! +++ (sehr bald)“

Fakt.

2:0 für das Tentakel-Ungeheuer

Über die Pariser Anschläge wird jetzt mehr oder weniger dasselbe geschrieben wie über den Anschlag auf Charlie Hebdo. Vieles ähnelt sich, vieles ist das übliche, wohlfeile Geschwafel, vieles durchaus in Ordnung und manches lässt einen wieder ziemlich ratlos zurück. Am schlimmsten ist wie immer der Boulevard, wo man wahrscheinlich noch nicht einmal versteht, was an einer solchen Schlagzeile irritieren könnte:

Quelle: suedkurier.de
Quelle: suedkurier.de

Eigentlich ist der Titel ja ziemlich gut, weil in seiner Beschränktheit unfreiwillig ehrlich. „Länderspiel am Rande des Terrors“ oder, noch besser, eine Schlagzeile ohne Fußball wäre vielleicht passender gewesen. Aber das nur zum Aufwärmen. Continue reading 2:0 für das Tentakel-Ungeheuer

Achtelfinale oder Afghanistan?

Quelle: BMVg
Quelle: BMVg

Kurze Frage, Bundeswehr. „Die Kampagne soll Denkanstöße geben“ (was bekanntlich immer Ziel von Werbung ist), befiehlst du. Ich versuche zu gehorchen und fahre mir den ganzen Swag auf www.machwaswirklichzaehlt.de rein, wo Buddhisten in Uniform alles tun außer schießen und dabei voll ganzheitlich unterwegs sind. War früher auch mal zupackender, aber egal.

Wenn ich das mit dem Denken also beherzige und versuche, Eins und Eins – „mehr Verantwortung übernehmen“  (Gauck, von der Leyen, Steinmeier) sowie „Weiterkommen“ (Bundeswehr) – zusammenzuzählen, was kommt dann heraus?

Mehr als Achtelfinale? Oder doch weiter als Afghanistan? Dann wären ja zwei Dinge schon mal sicher, wenn Om der Leyens familienfreundliche  Bundeswehr demnächst wieder unsere Freiheit verteidigt: Es wird ohne Schießerei und nicht im Mittleren Osten vonstattengehen, denn der ist eindeutig zu nah.