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Volksfeinde und nationale Anstrengungen

Bei der Überschrift ist die Aufmerksamkeit doch garantiert. Nach einer kleinen Pause meldet sich der Kuno mit drei kurzen Kommentaren zu beliebten Themen der Nation zurück: Flüchtlinge, Inflation und Schulden. Da ist doch für jeden ein Lieblingsfeind dabei!

Dieses Jahr hat sich Kuno zu den Ereignissen in Köln erstmal zurückgehalten und abgewartet, bis das Gebrüll leiser geworden ist. Könnte sich gelohnt haben, denn nachdem die Polizei erst behauptete, dass die meisten der über 600 Verhafteten Nordafrikaner seien, korrigiert sie sich nun. Schlappe zwei Wochen wurde offenbar tapfer gezählt und das Ergebnis: Unter den Verhafteten waren 17 Marokkaner und 13 Algerier.* Continue reading Volksfeinde und nationale Anstrengungen

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Dahinter ein kluger Kopf, darauf einen Korn (in nicht gesundheits-schädlicher Qualität)

Hinter der FAZ steckt ja seit 1964 immer ein kluger Kopf. Fakt. Heute wollte der Kuno auch mal dazugehören und sich zumindest faz.net via Laptop vor den Kopf halten. So las er dann mit brennenden Oberarmen den ulkigen Artikel zur „Konzeption ziviler Verteidigung“, die die FAS exklusiv der Bundesregierung abgelauscht hat. Tenor: Der Russe (oder sonst irgendwer) steht immer vor der Tür und für den Fall der Fälle wird z.B. empfohlen, Trinkwasser für fünf Tage „in nicht gesundheitsschädlicher Qualität vorzuhalten“. Kommt nicht jeder drauf.

Ganz nebenbei – so eine Vorhaltung Kunos – bereitet der schöne Plan weiter auf den Einsatz der Bundeswehr im Innern vor, den natürlich niemand will, aber der vielleicht total alternativlos ist. Kann man gut finden oder unsinnig. Beim Stöbern in den beliebtesten Kommentaren, die beinahe so unterhaltsam wie auf Zeit-online sind, fällt dann der übliche Presskonservative (Rolf) auf, für den natürlich die 68er-Pazifisten an allem Schuld sind, weil die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erzählt hätten, es gebe keinen Krieg mehr. Klingt irgendwie logisch, wenn man sowieso der Meinung ist, dass seit gut 25 Jahren nur linke Pazifisten an der Macht gewesen sind. So wie die schwarz-gelbe Hippie-Regierung Kohl oder die rot-grüne Regierung Schröder (zwar links, aber dafür mit dem ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr, sogar mit ohne UN-Mandat) sowie die schwarz-gelbe Regierung Merkel (zwar Frau, also per se irgendwie links, hat aber mit dem Verteidigungsminister Guttenberg die Wehrpflicht abgeschafft – hat der überhaupt gedient?).

Und während Kuno dies alles so las und dachte, während er die geballte Klugheit der FAZ-Leser aufsog, da schwenkte sein Blick nach rechts (Achtung, Gagpotential) und sah den meistempfohlenen Artikel, den faz.net heute so zu bieten hat:

Thilo_rechts

Eine Überraschung ist das nicht (Hitler und Sarrazin gehen ja immer), aber die Konsequenz, mit der die Medien Sarrazin die Treue halten und, wie die FAZ, exklusiv verbreiten, was der so absondert, ist schon stupend, um mal FAZ-gemäßes Vokabular auszuspucken. Vielleicht kennen die Frankfurter aber auch einfach ihre Zielgruppe, was bei der Zahl der Kommentare und der Popularität des Artikels eine plausible Erklärung zu sein scheint.

Solange dies alles so bleibt, muss man sich über vieles in diesem Land wenig wundern. Zugegeben eine neblige Aussage, aber trotzdem hilft hier wohl weniger ein Küstennebel als ein klarer Korn, um Thilo und Rolf mit klarem Kopf freundlich, aber bestimmt das „Du“ nicht anzubieten. Ein kluger Kopf reicht offensichtlich nicht. Stößchen!

Dissonanter Dachschaden

Immer wenn man glaubt, das Ende der menschlichen Dummheit müsse doch endlich mal erreicht sein, springt Einstein aus der Kiste und streckt die Zunge heraus.

faz-net_2016-04-30

Endlich ein offenes SUV“ begeistert sich die FAZ und findet, „die Idee birgt einen gewissen Charme“. Schlauchbootlippen oder Atompilze bergen auch einen gewissen Charme, kommt immer darauf an, wen man fragt. Hier wird man jedenfalls den Verdacht nicht los, dass selbst ein zehn Tonnen schweres SUV mit Rindfleischverkleidung und Düsenantrieb ähnlichen Jubel hervorriefe.

Atmungsaktivität

„Jetzt unternimmt Land Rover den Versuch, das SUV-Angebot um eine besonders atmungsaktive Facette zu bereichern.“ Mal abgesehen von der Schnappatmung, die solche Katachrese beim Korrekturlesen auslösen sollte, schafft die Karre einen atmungsaktiven CO2-Ausstoß von 150-190g/km. Derlei Öko-Firlefanz verkneift sich der Text natürlich, weist aber darauf hin, dass die zwei Tonnen Anachronimus auch zum Ausflug nach Kitzbühel taugen, weil sich ein Teil der Rückbank sensationellerweise für den Transport der Ski umklappen lässt. Stößchen!

Was soll die Aufregung?

Nun gut, die Deutschen sind also wild auf dicke Autos und das SUV-Gehampel – Dafür? Dagegen? In Weiß ein No-Go? Also, ich kauf’ nur Bio! – ist zugegebenermaßen kaum mehr zu ertragen. Wozu also die Aufregung?

Das Weltklima wird ja (größtenteils) nicht am Autoverkehr zugrunde gehen. So richtig verhunzt wird es in den atmungsaktiven Facetten anderer Sektoren und, nachdem es in Paris theroetisch gerettet wurde, vor allem in der Praxis. Das weiß auch die FAZ. Da müsste doch z.B. die Tatsache, dass in den USA Obamas Vorhaben zur Reduktion von Kraftwerks-Emissionen seit Februar vom Supreme Court auf Eis gelegt worden ist, das Gemüt wesentlich mehr erhitzen, oder?

Eigentlich schon. Ist aber so anstrengend, alles aufzuschreiben. Das Bild eines SUV-Cabriolets dagegen und die debile Begeisterung im Artikel gerade dieser Zeitung sind, pars pro toto, das perfekte Abbild eines Zeitgeists, der offensichtlich erlaubt, gleichzeitig Öko-Weltmeister und SUV-Burger-Apple-Billigflug-Opfer zu sein. Individuell lackiert, leistungsstark, bequem ausgestattet und sehr, sehr dumm.

Zu Sanders

Donald Trump. Oder Ted Cruz. Bei Unklarheit einfach mal den Kleber vom heute-Jounal fragen.
Donald Trump. Oder doch Ted Cruz?

Die USA sind ja schon schrill. Der Deutsche an sich und seine Leitmedien gruseln sich mit großem Vergnügen vor Trump und all den anderen Verrückten da drüben. Dabei können sich die Alpha-Journalisten natürlich immer darauf verlassen, dass ihr eigener „politischer Kompass“ (wie man so sagt) zuverlässig eingenordet und ihr Urteilsvermögen ungetrübt objektiv ist.

So mal wieder zu bewundern bei Claus Klebers Anmoderation der US-amerikanischen Vorwahlen im heute-Journal des vergangenen Sonntags: „Die Welt könnte vernünftige Führung brauchen. Doch morgen könnte die erste Vorwahl eine vertrackte Alternative einleiten, zwischen einem linken Träumer namens Bernie Sanders und einem größenwahnsinnigen Immobilienmogul namens Donald Trump.“

Rassisten, Fundamentalisten, Linke: Alles Spinner

Wie man eine vertrackte Alternative einleitet, weiß wahrscheinlich auch nur Kleber, aber wie man eine tendenziöse Berichterstattung einleitet, das weiß sogar der Kuno. In die gleiche Kerbe wie Kleber schlug übrigens auch die Süddeutsche Zeitung am Wochenende, als sie den rassistisch hetzenden Trump, den Tea-Party-Fundamentalisten Cruz und den „demokratischen Sozialisten“ Sanders ganz selbstverständlich in einen Topf warf. Tenor im heute-Journal und bei der SZ: Sind alle Spinner. Continue reading Zu Sanders

2:0 für das Tentakel-Ungeheuer

Über die Pariser Anschläge wird jetzt mehr oder weniger dasselbe geschrieben wie über den Anschlag auf Charlie Hebdo. Vieles ähnelt sich, vieles ist das übliche, wohlfeile Geschwafel, vieles durchaus in Ordnung und manches lässt einen wieder ziemlich ratlos zurück. Am schlimmsten ist wie immer der Boulevard, wo man wahrscheinlich noch nicht einmal versteht, was an einer solchen Schlagzeile irritieren könnte:

Quelle: suedkurier.de
Quelle: suedkurier.de

Eigentlich ist der Titel ja ziemlich gut, weil in seiner Beschränktheit unfreiwillig ehrlich. „Länderspiel am Rande des Terrors“ oder, noch besser, eine Schlagzeile ohne Fußball wäre vielleicht passender gewesen. Aber das nur zum Aufwärmen. Continue reading 2:0 für das Tentakel-Ungeheuer

Sex mit der FAZ

FAZ-online bringt ein großes Spezial zur Zukunft des Sex und ich spezialisiere mit.faz_net_2015-08-03

Geil! Sommerlöcher und so! Ich habe schon letzte Woche sabbernd geklickt, als das Thema groß auf der ersten Seite angekündigt wurde und fand ganze vier Artikel. Scheint keine große Zukunft zu haben, dieser Sex. Leider tut sich in der Zukunftsforschung seitdem auch nichts mehr, aber schauen wir doch mal, was die Wissenschaftler bei der FAZ bisher so an Thesen aufgestellt haben. Continue reading Sex mit der FAZ

Wer rastet, der postet

Reisen bringen ja bekanntlich Erkenntnisse und den folgenden Aphorismus könnte man direkt in Druck geben: Wer über deutsche Autobahnen tingelt, kommt an Raststätten nicht vorbei. Nicht schlecht, oder? Die deutschen Raststätten wurden jedenfalls anno 1998 endgültig privatisiert, die rot-grüne Regierung hat damals im Privatisierungsrausch alle Autobahnraststätten verhökert und dafür ganze 1,2 Milliarden Euro eingenommen. Sicher ein Bombengeschäft. Bei Wikipedia kann man heute noch nachlesen, dass eine der politischen Vorgaben dabei war, Monopole zu vermeiden. Das hat auch gut geklappt und so betreibt Tank&Rast nicht 100%, sondern nur 90% der etwa 400 Autobahnraststätten und hisst über der Hälfte die Serways-Flagge, damit’s nicht so auffällt und weil’s einfach cooler klingt. Continue reading Wer rastet, der postet

Wie man Statistiken aufgöbelt

Ich liebe die FAZ und vor allem ihre Kommentatoren. Neben dem ulkigen Jasper von Altenbockum darf auch Heike Göbel, verantwortliche Redakteurin der Wirtschaft, das Publikum regelmäßig auf Linie bringen.

Streik? Verbrecher!

So geschehen dieser Tage in zwei kurzen Artikeln, mit denen sie dem FAZ-Leser das bestätigt, was der schon immer wusste: Streiks gehen gar nicht! Über den Bahnstreik habe ich ja vergangenen November schon geschrieben und viel geändert hat sich da eigentlich auch nicht. Die Medien folgen in weiten Teilen der Darstellung der Deutschen Bahn (die Gerichte taten dies interessanterweise bisher nicht) und Weselsky ist ein „Bahnsinniger“ (BILD), der heute wieder mal eine „irre Wut-Rede“ (Express) gehalten hat. Sprachlich weniger dämlich, aber inhaltlich ähnlich erbärmlich bezeichnete Heike Göbel den Streik vor einigen Tagen in der FAZ als „Geiselhaft“ der Reisenden. Und weil die Streikenden natürlich erst dann richtige Verbrecher sind, wenn sie tatsächlich illegal handeln, fordert sie: „Die Regierung sollte […] das Streikrecht begrenzen“. Alles, was Göbel dazu so aus ihrem Hirn leierte, liefe de dacto auf eine Abschaffung des Streikrechts hinaus. Reizend.

Streik? Gierlappen!

Gestern bekamen dann vorsorglich Erzieherinnen und Erzieher noch ihr Fett weg. Die wollen auch streiken, dabei geht’s denen noch viel zu gut! Zum Beleg setzt Göbel ihren Lesern dann allen Ernstes diese Grafik vor:

Quelle: faz.net

Junge, Junge, Alarmstufe Rot! Mal ganz davon abgesehen, dass beim Erziehergehalt die mehrjährige unbezahlte Ausbildung unerwähnt bleibt, dass die Hälfte der Erzieherinnen in Teilzeit arbeitet, dabei natürlich deutlich weniger verdient, öfter einen Zweitjob braucht oder auf lecker „Hartz IV“ aufstocken muss, dass sich ein großer Teil der Berufsgruppe schon mal auf Altersarmut freuen darf – sind die FAZ-Leser schon dermaßen sediert, dass sie nicht nur einen dermaßen dürftigen und willkürlichen Vergleich, sondern auch noch den „Handwerker“ als Vergleichsberuf schlucken? Man kann sich in Deutschland zu allem Möglichen ausbilden lassen, aber sicher nicht zum „Handwerker“. Und wetten, dass der ein oder andere „Handwerker“-Meister auch mehr als 2700€ brutto im Monat nach Hause bringt? Das Einsteigerseminar zum Frisieren von Statistiken sollte Göbel vorsichtshalber nochmals besuchen.

Die FAZ-Redaktion im Doppelpass

Nachdem sein Kollege Müller vor einigen Tagen vorgelegt hat, übt Jasper von Altenbockum nun zwar weniger risikoreich, aber solide den Doppelpass im Spiel gegen die linke Gefahr in der Asylpolitik.

Achtung, Balkan!

Auf dem afrikanischen Flüchtling an sich kann man derzeit wohl eher weniger herumhacken. Merksatz für angehende Journalisten: 400 ertrunkene Flüchtlinge sind keine Nachricht, 800 ertrunkene Flüchtlinge sind eine. Zum Glück bleibt ja noch der Balkanese, wobei das Stichwort „Balkan“ bei deutschen Lesern auch die Assoziation „Huch, Zigeuner!“ hervorrufen dürfte, aber vielleicht täusche ich mich da. Continue reading Die FAZ-Redaktion im Doppelpass

Gib ab, gib doch ab!

Kuno könnte sich an dieser Stelle darüber aufregen, dass die EU die geradezu lächerlich billige Operation Mare Nostrum zur Rettung in Seenot geratener Flüchtlinge eingestampft hat und sich jetzt ganz betroffen zeigt, weil letztere massenweise im Mittelmeer verrecken. Er könnte sich auch darüber ärgern, wie hierzulande gerne so getan wird, als seien vor allem Schlepper das Problem und nicht die Situation in den jeweiligen Herkunftsländern, an denen „unsere“ Wirtschaftspolitik ja auch nicht immer völlig unschuldig ist. (Hat z.B jemand etwas vom leckeren Freihandelsabkommen EPA mitbekommen?) Und sowieso Schlepper; in der aktuellen SZ am Wochenende werden den Jüngsten auf den zwei Kinderseiten die Gründe für Flüchtlingsnot erklärt und der längste Artikel befasst sich natürlich mit den Schleppern, die also scheinbar die Hauptursache darstellen. Das SZ-Kind erfährt natürlich auch noch, dass Deutschland schon total viel tut, um den armen Afrikanern zu helfen usw. usf.

Kuno schüttelt aber exemplarisch über die FAZ den Kopf, bei der man manchmal wirklich nicht mehr weiß, ob man jetzt einen konservativen Zeitungsartikel oder dessen schlechte Parodie liest. Dieser wahrscheinlich polemisch gedachte aber leider völlig hirnlos geratene Kommentar Reinhard Müllers lässt einen dann doch ziemlich ratlos zurück.

„Gebt Euren Pass ab!“

Grüne, welche die deutsche Staatsbürgerschaft für hier Geborene fordern, sollen laut Müller im Gegenzug ihren Pass abgeben, weil sie das Gemeinwesen kompostierten. Seinerzeit hätte man das wohl Zersetzung der völkischen Gemeinschaft oder so ähnlich genannt. Außerdem sind die Grünen in Müllers Vorstellung irgendwie Stasi, aber wie und warum genau bleibt unklar und ist wohl auch völlig egal. Nebenbei ignoriert Müller in seiner, na ja, „Argumentation“ fröhlich, dass die USA auch die Kinder illegaler Einwanderer als Staatsbürger anerkennen und von der Drittstaatenregelung hat er offensichtlich auch noch nie gehört, wenn er fabuliert, zu Deutschland habe jeder Zugang.

Klar, man kann den Artikel auch als launige Einzelmeinung abtun, aber leider erscheint er in einer der renommiertesten Tageszeitungen Deutschlands, in der regelmäßig so oder ähnlich vom Leder gezogen wird. Die latent völkische Rhetorik, die blinden Ressentiments und die sture Ignoranz eines solchen Artikels sind ziemlich besorgniserregend und leider auch kein Einzelfall. Wenn man sich dann noch die positiven Kommentare des bildungsbürgerlichen FAZ-Publikums darunter ansieht, läuft es einem kalt den Rücken herunter.

Ich bin jedenfalls dafür, dass Schreiberlinge wie Müller statt solcher Kommentare lieber ihre Presseausweise abgeben. Die Staatsbürgerschaft können sie meinetwegen behalten. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!