Tag Archives: Deflation

Volksfeinde und nationale Anstrengungen

Bei der Überschrift ist die Aufmerksamkeit doch garantiert. Nach einer kleinen Pause meldet sich der Kuno mit drei kurzen Kommentaren zu beliebten Themen der Nation zurück: Flüchtlinge, Inflation und Schulden. Da ist doch für jeden ein Lieblingsfeind dabei!

Dieses Jahr hat sich Kuno zu den Ereignissen in Köln erstmal zurückgehalten und abgewartet, bis das Gebrüll leiser geworden ist. Könnte sich gelohnt haben, denn nachdem die Polizei erst behauptete, dass die meisten der über 600 Verhafteten Nordafrikaner seien, korrigiert sie sich nun. Schlappe zwei Wochen wurde offenbar tapfer gezählt und das Ergebnis: Unter den Verhafteten waren 17 Marokkaner und 13 Algerier.* Continue reading Volksfeinde und nationale Anstrengungen

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Wirtschaften, das

Wer heute die Wirtschaftsseiten von faz.net, zeit.de und sueddeutsche.de nach Artiklen zur Eurokrise durchforstet, bekommt einen ziemlich guten, stellvertretenden Eindruck dessen, was in der deutschen Presse schiefläuft.

Auf sueddeutsche.de/wirtschaft: kein Wort.

Auf faz.net/aktuell/wirtschaft: zwei Artikel

Der eine befasst sich mit den „Haushalts-“ bzw. „Defizitsündern“ Spanien und Portugal. Beide bis vor kurzem übrigens noch Berlin’s darling, weil sie so fleißig gespart haben. Gebracht hat es offensichtlich nichts wie hier schon letztes Jahr nachzulesen war.

Der andere erwähnt tatsächlich „den deutschen Leistungsbilanzüberschuss“, wischt ihn aber etwas kryptisch beiseite: „Die Vorhaltung gegenüber Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss stammt aus dem Fiskalpakt“, fertig.

Auf zeit.de/wirtschaft/index: ein Artikel

In diesem Kommentar heißt es geradezu exemplarisch: „Eine Währungsunion mit weitgehend souveränen Mitgliedsstaaten kann ohne ein Mindestmaß an Regelbindung nicht funktionieren. Wenn jeder nur noch an sich selbst denkt, ist der Euro bald Geschichte.“ Gemeint sind damit natürlich alle anderen und nicht Deutschland.

Mal abgesehen davon, dass Deutschland selbst oft genug gegen die Defizitkriterien verstoßen hat, verletzt es auch andauernd die seit 2011 geltenden Regelungen zum Außenhandelsüberschuss. Sprich: „Deutschlands Netto-Kapitalexport wird somit im laufenden Jahr voraussichtlich auf 8,4 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung steigen, nach 7,5 Prozent im Jahre 2014. Die EU hält maximal sechs Prozent für langfristig tragfähig […]“.

Seit Einführung der Regeln im Jahr 2011 ist Deutschland also „Bilanzsünder“, um mal im religiösen Jargon der FAZ zu bleiben (davor ging das mit der Bilanz übrigens schon fünf Jahre so).

Es entbehrte nicht einer gewissen Komik, dass ausgerechnet Hans-Werner Sinn mittels einer Goldman Sachs-Studie darauf hinwies, „dass Deutschland im Vergleich zur restlichen Eurozone um 31 Prozent teurer werden müsste, um Italien & Co. wieder wettbewerbsfähig zu machen.“

Anders ausgedrückt:

Leistungsbilanzsalden europäischer Länder (1997-2013); Quelle: OECD, zitiert nach wikipedia.org

Gut, das sind jetzt absolute Zahlen und keine relativen, aber die Grafik illustriert ganz gut, was in Europa seit der Agenda-Zeit passiert ist. Continue reading Wirtschaften, das

Theatergruppe CDU2017 inszeniert den Faust

Die Gruppe „CDU2017“ hat für ihren großen Auftritt unter anderem Friedrich Merz aus der Requisite hervorgezaubert und will jetzt mächtig Eindruck schinden. Bühne frei für Jens Spahn, den Initiator des Ganzen: „Die Gretchenfrage ist, ob wir endlich mal die Kraft zu Reformen haben, während es uns noch gut geht.“ Lexikalisch gesehen ist das natürlich keine Gretchenfrage und schon gar nicht die Gretchenfrage; das wäre nämlich die nach der Religion. Aber vielleicht ergibt Spahns Frage trotzdem mehr und einen anderen Sinn, als er so denkt. Continue reading Theatergruppe CDU2017 inszeniert den Faust

Gute Nachricht: In 20-30 Jahren geht es aufwärts!

Die neue Wachstumsprognose ist da! Und wieder mal lagen die Experten daneben und müssen ihr Konjunkturbingo aus dem Frühjahr deutlich korrigieren. Wie immer halt. Aber natürlich können sie wenig für ihre falschen Prognosen; es kommt einfach immer irgend etwas dazwischen – meistens die Realität. Im aktuellen Fall sind die Russen schuld (geht immer), außerdem die wegbrechende Nachfrage im europäischen Ausland (ohne Kohle lässt sich schlecht einkaufen) und unsere linksradikale Regierung, die mit Geschenken wie Mindestlohn oder Mietpreisbremse die Konjunktur abwürgt. Die empfohlenen Maßnahmen sind altbekannt: Deregulierung und Steuern für Unternehmen senken. Brillant! Machen wir zwar schon längst, aber egal.

Neu hingegen ist die Erkenntnis, dass die Bundesregierung mehr Geld ausgeben soll. Darauf sind sie in Deutschland bisher noch nicht gekommen und schließen sich damit in sehr gemäßigter Form der Linie der Wirtschaftsnobelpreisträger an, die Angela Merkel Ende August für ihre Politik in der Euro-Krise heftigst abgewatscht haben. Das Ohrfeigengewitter, das die deutsche Kanzlerin in Lindau kassierte, fand in in ungewöhnlicher Schärfe auch seinen Weg in das CDU-Fanzine DIE WELT. Continue reading Gute Nachricht: In 20-30 Jahren geht es aufwärts!

Neue Studie: Autos kaufen keine Autos! Experten noch uneinig

Ich weiß gar nicht, wie oft ich in den letzten Tagen das angebliche Zitat Henry Fords „Autos kaufen keine Autos“ gelesen habe. Statt Autos können es auch schon weitaus billigere Güter sein, die sich so manch einer nicht leisten kann. Der Spruch mit den Autos soll natürlich illustrieren, dass Konsumenten Geld in der Tasche haben müssen, um Güter kaufen zu können. Zu genau diesem Thema im Zusammenhang mit einer drohenden Deflation habe ich ja im Mai schon mal geschrieben und die Einsicht, dass wenige Vermögende den Binnenkonsum niemals so ankurbeln können wie die breite Bevölkerung, war auch damals schon nicht neu. Continue reading Neue Studie: Autos kaufen keine Autos! Experten noch uneinig

Osterhase gegen Deflationsgespenst

Mit gerade mal zwei Semestern Volkswirtschaft in der Vita bin ich ganz sicher kein Wirtschaftsexperte. Aber im Wirtschaftsteil der Welt könnte ich doch allemal arbeiten. Denn da sorgt schon die kurzfristige Teuerung über die vergangenen Feiertage für gute Laune und der Osterhase vertreibt das Schreckgespenst der Deflation, das Europas Ökonomen und Politiker schon seit einiger Zeit umtreibt. Wie sehr erkennt man schon daran, dass in der Öffentlichkeit bevorzugt mit Euphemismen wie „Niedriginflation“ hantiert wird, um schon das Wort „Deflation“ möglichst zu vermeiden. Continue reading Osterhase gegen Deflationsgespenst