Ein alter Witz: der Altersvorsorgebericht

Dieser Tage erscheint der Altersvorsorgebericht der Bundesregierung. Darin wird vor „unzureichender eigener Altersvorsorge“ gewarnt, vor allem bei Geringverdienern: „Wird in diesem Einkommensbereich nicht zusätzlich für das Alter vorgesorgt, steigt das Risiko der Bedürftigkeit im Alter stark an“.

Das stand auch 2012 im Vorgängerbericht. Wortgleich, übrigens (Seite 25).

Außerdem hieß es damals (auf Seite 9): „Auffällig ist, dass insbesondere Bezieher geringer Einkommen noch zu wenig zusätzlich für das Alter vorsorgen. Rund 42 Prozent der Geringverdiener, das sind knapp 1,8 Mio. der gut 4,2 Mio. erfassten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einem Bruttolohn von weniger als 1.500 Euro pro Monat, haben weder eine betriebliche Altersversorgung noch einen Riester-Vertrag.“

Da schau her! 1500 Euro brutto und keine private Rentenvorsorge, wie kann das passieren?

„,Man braucht aber offenbar ein gewisses Einkommen, um sich die Teilnahme an der Riester-Rente überhaupt leisten zu können, sagt FU-Ökonom König“ auf faz.net.

Ach so. Oder in von der Leyens Worten, wieder von 2012: „Altersarmut droht schon bei 2500 brutto.” Das konnte man sogar in der Welt lesen. Von der Leyen mahnte damals mit mütterlicher Milde an, „dass 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Geringverdiener (1,8 Millionen) keine private Altersvorsorge betreiben.“

Schlimm, das. Aber was ist dann mit Mindestlöhnern, die (bei Vollzeit-Beschäftigung) auf gerade mal etwa 1500 Euro brutto kommen? Auch das weiß die Welt: Die müssen 45 Jahre ununterbrochen arbeiten, um die jämmerliche Grundsicherung im Alter zu beziehen. Bei heutigen Erwerbsbiografien eher unwahrscheinlich.

Und der Focus, der ja in solchen Belangen gerne mal unkritisch bis zum Hirntod ist, zitierte 2014 eine Studie, nach der man als Mindestlöhner um die 60 Jahre arbeiten müsse, um eine Rente auf Grundsicherungsniveau zu erhalten. Auch schön.

Den Kuno erinnert das alles an einen alten Cartoon, den er leider im Internet nicht findet. Deswegen muss der geneigte Leser jetzt digital detox betreiben und per Handkurbel seine imaginative Kompetenz anwerfen: In besagtem Cartoon fliegt ein Trapezkünstler im Zirkus auf seinen Partner zu und ruft in der Luft: „Fang mich! Fang mich auf!“ Sein Partner ist aber leider ein armloser Regenwurm und ruft: „Wie? Wie?“ Der Altersvorsorgebericht der Regierung ist viel länger, aber kaum lustiger, obwohl das Arbeitsministerium den Gag offensichtlich alle paar Jahre neu ausprobiert.

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