Mon dieu! Diese versauten Franzosen wieder!

Hallo Süddeutsche, du linksliberales Sturmgeschütz, ich hätte da mal zwei Fragen. Aber erst gleich, erst mal hübsch der Reihe nach, wie schreibst du so schön?

„Es ist Fußball-EM, die Franzosen streiken und alles nur, um Präsident Hollande zu erpressen. Gut, dass es so etwas in Deutschland nicht gibt.“

Anders ausgedrückt:

Wichtige_Frage

Wichtige Frage, das.

Im SZ-Artikel ist wieder alles drin, was auch die Gewerkschaftsfresser bei der FAZ oder sonstwo so gerne schreiben,¹ nur dass diese Haltung inzwischen zum guten Ton zu gehören scheint:

„Minderheiten“ „nehmen die Demokratie als Geisel“, „um die gewählten Institutionen der Demokratie zu erpressen und, wie jetzt, notwendige Reformen des Arbeitsrechts zu blockieren.“

Jenseits von Löws Eiern

So oder ähnlich steht das vielleicht auch in Ihrer Zeitung, wenn den Medien überhaupt noch Zeit bleibt, vor lauter Gejapse über die Fußball-EM und Jogi Löws Eierkraulen zur Besinnung zu kommen und über die Proteste in Frankreich zu berichten.

Die „notwendigen Reformen“ in Frankreich, das sind die üblichen „schmerzhaften“, die – leider, leider, sorry! – sein müssen: Mehr Flexibilität für die Unternehmen, damit die mehr Leute einstellen etc. pp.

Alles nicht ganz ohne Ähnlichkeiten zu den deutschen Agenda-Reformen und Präsident Hollande ließ sich ja schon vor längerer Zeit von Peter Hartz (76, vorbestraft) besuchen, aber natürlich keinesfalls beraten (z.B. zu Arbeitsmarktreformen oder in welchem Puff man am besten Firmengelder verjubelt).

Zwei simple Fragen

Jenseits der Diskussion über Sinn und Unsinn der französischen Arbeitsmarktreformen und der durchaus interessanten Diskussion darüber, ob politische Streiks erlaubt sein sollten oder nicht, kann man Journalisten wie dem Piper von der SZ (oder auch gerne mal sich selbst) zwei Fragen stellen:

1) Wenn Proteste über Monate anhalten, wenn 75.000 (oder doch eine Million?) Menschen an einem Tag in Paris auf die Straße gehen und wenn knapp zwei Drittel der Franzosen die Proteste für gerechtfertigt halten – hält da wirklich eine kleine, radikale Minderheit das Land im Würgegriff?

2) Wenn politische Streiks die Demokratie gefährden, was genau tut dann eigentlich eine französische Regierung, die das unliebsame Reformgesetz per Dekret am Parlament vorbei durchdrückt?²

Und wenn es „so etwas“ (sie sind halt versaut, diese Franzosen) wie die aktuellen Proteste in Frankreich im anständigen Deutschland nicht gibt, wie die SZ erleichtert aufatmet, dann auch, weil weite Teile der Presse in punkto Wirtschafts- und Sozialpolitik schon lange nicht mehr wissen wollen, wo oben oder unten ist.

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¹ Neulich beim Streik im öffentlichen Dienst war Frau Goebel wieder in Bestform: „Staatsplünderer“, alle Achtung.
² Die Regierung Valls nutzte dieses lupenrein demokratische Verfahren am 10. Mai 2016 übrigens schon zum vierten Mal.

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2 thoughts on “Mon dieu! Diese versauten Franzosen wieder!

    1. Danke für Ihren Kommentar. Ihre dritte Frage ist mehr als berechtigt, allerdings sollte mein Artikel auch ein Ende finden. Ist ja immer die Schwierigkeit, nicht vom Hölzchen zum Stöckchen zu kommen.

      Als vierte Frage bliebe noch: Wenn eine solche Politik die Arbeitslosigkeit senken sollte, welche Art von Jobs enstehen dann eigentlich? Oder als fünfte: Warum muss Frankreich überhaupt via Arbeitsmarktpolitk “intern abwerten”?

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