Der Sensei in Sendai

Treffen sich die Finanzminister und Zentralbänker der G7-Staaten und in der deutschen Presse steht nix. Klingt so, ist aber leider kein Witz. Dabei haben die so schicke Fotos geschossen.

Quelle: g7sendai2016.mof.go.jp
Quelle: g7sendai2016.mof.go.jp

Im japanischen Sendai ging es am Wochenende um nichts weniger als die ganz große Wirtschaftspolitik und in den großen Presseangeboten steht wenig bis gar nichts. Aus den Agenturmeldungen bei Zeit-online und FAZ-online erfährt man immerhin, dass „die Weltkonjunktur lahmt“ und die G7-Staaten „die Weltwirtschaft ankurbeln“ wollen – durch die üblichen „Strukturreformen“ nach deutschem Zuschnitt, deren Folgen man in Europa besichtigen kann.

Bei Spiegel, Süddeutscher, taz etc.pp. findet sich zu dem Thema schlicht und ergreifend gar nichts. Gut, vielleicht warten manche auf das Treffen der Staats- und Regierungschefs am Ende der Woche, aber warum macht sich kein deutsches Leitmedium eigene Gedanken zu dem Thema?

Bei Reuters selbst findet sich zumindest der Hinweis darauf, dass längst nicht alle mit dem deutschen Kurs einverstanden sind: „Germany has shown no signs of responding to calls from Japan and the United States to boost fiscal spending.“

So, so, Japan und die USA hätten also gerne mehr „fiscal spending“. (Die USA müssten sich auch mal Gedanken darüber machen, wie sie ihre großen Unternehmen zum Geldausgeben kriegen. Die horten stattliche 1,7 Billionen Dollar im Ausland und haben keine Lust, die in der Heimat zu investieren und zu versteuern.)

Also sind schon mal zwei von sieben Teilnehmern anderer Auffassung als der deutsche Finanzminister, das kann man als „a rift on fiscal policy and currencies“ bezeichnen – und genau über diese Kluft und die zugrunde liegende Frage, ob man die Weltwirtschaft tatsächlich mit den üblichen „Strukturreformen“ aus der Deflation („anaemic inflation“ schreibt Reuters, auch schön) hieven kann, könnten deutsche Zeitungen doch zumindest mal im Wirtschaftsteil diskutieren.

Es müsste den deutschen Leitmedien doch möglich sein, grundsätzliche Fragen zu stellen, und vielleicht auch mal die deutsche Wirtschaftspolitik kritisch zu begleiten. Oder meinetwegen können sie auch mit dem deutschen Kurs einverstanden sein, aber dann sollten sie doch zumindest erklären, warum, statt einfach alles stillschweigend zur Kenntnis zu nehmen, was Sensei Schäuble vorbetet.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s