Zeitung lesen und bis Drei zählen

Zeitung lesen soll ja schlau machen und deshalb versucht Kuno sich heute mal an der SZ am Wochenende. Die Überschriften passt er dabei dem snappy SZ-Dossiernamen „Buch Zwei“ an (schon was gelernt).

Zeitung Eins

Die Süddeutsche ist bekanntlich Teil des Rechercheverbunds, der für die Panama Papers verantwortlich zeichnet und so wird man auf der zweiten Seite der Zeitung über den aktuellen Stand der Dinge informiert. Nebenbei liest man auch zum soundsovielten Mal, wie vor allem Deutschland wieder den Rächer der Enterbten markiert. Genug zu tun gäbe es ja, denn Deutschland – Weltmeister aller Klassen – steht auch im Steueroasen-Ranking in den Top Ten (und damit vor Panama).

Was man von den obligatorischen politischen Lippenbekenntnisse zu den Panama Papers grundsätzlich halten sollte, hat Kunos Lieblingsökonom Heiner Flassbeck in der taz zusammengefasst: „Steuern senken und Geld vermehren: Wer diese Praxis jahrelang gepredigt hat, sollte sich über die Offshore-Leaks jetzt nicht wundern.“ Amen!

Bild_Aktion
BILD verlieh Sigmar Gabriel (damals MP Niedersachen) und Angela Merkel (damals Oppositionschefin) seinerzeit einen Orden, weil sie diese fetzige Kampagne unterstützten.

Zeitung Zwei

Im Regionalteil der SZ am Wochenende folgt ein Erbauungsartikel, den sich Googles Werbeabteilung nicht schmonzettiger aus den Fingern hätte saugen können. Der sympathische Weltkonzern hat ein neues Domizil, nein, eine „Wohlfühloase“, in München eröffnet. Grund genug für die SZ, über beinahe eine ganze Zeitungsseite die altbekannte Start-up-Prosa auszukübeln: Alles giga unbürokratisch, alle kochen zusammen, tolle Lage, hauseigene Restaurants, Fitnessstudios und – natürlich – frisches Obst! Wie #yolo ist das denn?

Dabei weiß seit Jahr und Tag jeder, der den Inhalt einer Zeitung für mehr als drei Tage im Kopf behalten kann, wie das mit Steuersenkung, -flucht und -vermeidung so läuft. Immer wieder im Fokus dabei standen und stehen die großen Internetunternehmen wie Apple, Facebook, Amazon und Google. Noch im Februar konnte man bspw. in der FAZ lesen, wie Googles Offshore-Geschäfte so laufen und wie viel Steuergelder den Staaten dabei durch die Lappen gehen.¹

Zeitung Drei

Zwischen den beiden genannten Artikel macht der Wirtschaftsteil mit dem „Renten-Irrweg“ auf (noch nicht online). Tenor: Sogar Horst Seehofer hat gemerkt, dass die Riester-Rente gescheitert ist, die OECD warnt vor Altersarmut in Deutschland, Politiker wundern sich, dass insbesondere Geringverdiener keine kapitalgedeckte Vorsorge betreiben. (Mal ganz wild geraten: wer sowieso keine Kohle hat, legt sie auch nicht an. Und wenn es sich sowieso nicht lohnen würde, gleich zweimal nicht.)

Der heutige Durchschnittsverdiener muss ein Vierteljahrhundert arbeiten, um im Alter auf Grundsicherungsniveau zu kommen (ca. 770 €) und die Lage wird schlechter als besser. Die Renten müssen steigen, aber das kostet viel Geld und weder der Autor des Artikels noch die befragten Politiker und Gewerkschaftsbosse wissen, wie sie das bezahlen sollen.

Wer bis Drei zählen kann, wirft mal einen Blick auf Seite Zwei und Seite 36 derselben Zeitung und kann sich dann ungefähr zusammenreimen, wo die ganze Kohle stecken könnte. Die fehlt durch Steuerflucht und -vermeidung (nicht nur in den Entwicklungsländern) sowie durch Steuersenkung. Mal sehen, ob auf den Zusammenhang noch jemand kommt. Dazu abschließend mal wieder Frank-Walter Steinmeier im Wahlkampf vor den deutschen Arbeitgebern (eine Minute reicht):

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¹ Und das ging schon eine ganze Weile so, 2013 stand mehr oder weniger dasselbe hier.

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