Falsch spielen, hoch gewinnen

„Abseits ist, wenn der SPIEGEL pfeift.“ Gut, was? Nicht nur Russen, Katarer und andere verdächtige Ausländer kaufen sich also Fußball-Weltmeisterschaften, sondern offenbar auch ehrliche Deutsche und sogar veritable Lichtgestalten. Da schau her. Gemunkelt wurde schon lange, die Indizien waren schon vor einem halben Jahr ziemlich eindeutig, aber inzwischen ist man sich beim SPIEGEL sicher: Die Vergabe der WM 2006 ging nicht mit rechten Dingen zu und sogar unser Franz „Fußball ist kein Schacherspiel“ Beckenbauer war mittendrin statt nur dabei.

Quelle: magazin.spiegel.de
Quelle: magazin.spiegel.de

Mit Wurst und TITANIC zur WM

Eine Pointe allerdings lässt das Blatt allerdings außen vor. Die entscheidende Wendung zugunsten der WM-Vergabe an Deutschland wurde dadurch ermöglicht, dass „der Neuseeländer Charles Dempsey beim letzten Wahlgang überraschend nicht abstimmte“, wie es im Artikel heißt. Den Grund für Dempseys Enthaltung erfährt der SPIEGEL-Leser nicht.

Dieser war ironischerweise die Bestechungsoffensive der TITANIC, die offensichtlich parallel zu der des DFB lief und die den Neuseeländer mit angebotenen Kuckucksuhren, Wurst und Schinken offenbar so durcheinander brachte, dass er sich enthielt, statt wie geplant für Südafrika zu stimmen. DFB, Adidas und Konsorten haben also vielleicht den Boden bereitet, aber wie die Tagesthemen am 10. Juli 2000 verkündeten: „Die TITANIC hat den Deutschen die Fußball-Weltmeisterschaft beschert.“

Quelle: titanic-magazin.de
Quelle: titanic-magazin.de

Gegen Diffamerierung, für Kaiser und Vaterland

Wie genau die TITANIC damals diesen Coup landete kann man hier nachlesen. Besonders unterhaltsam sind dabei neben den Bestechungsschreiben („A fine basket with specialities from the black forest, including some really good sausages, ham and – hold on to your seat – a wonderful KuKuClock! And a beer mug, too! Do we leave you any choice???“) die protokollierten Anrufe des aufgebrachten Volks, das auf Initiative der BILD scharenweise in der Redaktion des Satire-Blatts anrief, um sich, Vaterland und Kaiser gegen die „Diffamerierung“ durch „schwule“ Schmierfinken zu verwahren. Eine kleine Auswahl dieser ethnologischen Feldstudie kann man sich noch im Original anhören.

Wie sagte der Franz noch gleich? „Wir leben in einem Paradies, das sieht man ganz deutlich im Hubschrauber.“ In diesem – ja, gut, äh – Sinne: Danke, TITANIC.

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