#jesuisflüchtling? Putin, meine Kompassnadel!

Wer wissen will, warum Putin in diesem Artikel herum- und anturnt, muss bis zum Ende lesen.

Hey, ist das gerade schön mit der Willkommenskultur! Man weiß ja gar nicht mehr, woran man ist, wenn schon die BILD einen auf Refugees Welcome macht. Die verlorene Orientierung bekommt aber ganz schnell wieder, wer nach Bayern schaut. „An den Grenzen stehen 60 Millionen Flüchtlinge“, weiß der (beinahe promovierte) CSU-Generalsekretär Scheuer. Da wundert es kaum, wenn Bayern, also Deutschland bzw. Europa eher auf Abschreckung setzt, um weniger „Anreize“ zu setzen. Die einen haben das Taschengeld gekürzt, die anderen wollen Flüchtlinge, aber keine Muslime, die Ungarn bauen einen Zaun usw. usf. In Bayern, also mithin Deutschland, geht es natürlich humaner zu und statt Abschreckung setzen wir auf eine „erkennbare Nichtbleibeperspektive“ (Merkel) für die Flüchtlinge. Das ist doch was.

Wunderbare Neger und IS-Schläfer

Der für Lagerbau und Taschengeldkürzung zuständige bayerische Innenminister Herrmann (überraschenderweise: CSU) bezeichnet bei Maybrit Illner den Vergleich heutiger Flüchtlinge mit deutschen Vertriebenen als Beleidigung. Für letztere, meint er natürlich. Fremde, die beim FC Bayern spielen, sind aber okay und Roberto Blanco ein „wunderbarer Neger“, wie Herrmann dann bei Plasberg nachlegte.¹ Häme hat er sich damit natürlich redlich verdient, wobei mir ein Politiker, der seine geistige Armut offensiv zur Schau trägt, manchmal lieber ist, als einer, der sich wunderbar korrekt ausdrücken kann, aber damit nur seine Ressentiments übertüncht. Gemeint ist, wieder einmal, Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann, der ja eigentlich Syrer aus dem Asylverfahren nehmen wollte, aber jetzt im Focus „zwingend eine umfassende Sicherheitsüberprüfung“ vorschlägt, damit der IS keine Schläfer schickt. Das scheint dermaßen hirnrissig zu sein, dass sich sogar die CSU verwundert zeigt – was man erstmal schaffen muss – passt aber natürlich ins Blatt der Patentlösungen für Flüchtlingsfragen. Focus-Chefredakteur Reitz wollte ja Schlauchbootfabriken in Libyen bombardieren lassen, um das Problem nachhaltig zu lösen.

Guter Flüchtling, schlechter Flüchtling, Balkan-Flüchtling

Es gibt natürlich auch (wahrscheinlich) gutgemeinte Äußerungen im politischen Diskurs und natürlich stellen Flüchtlinge eine Herausforderung dar. Aber leider scheinen wir nie ohne Wertungsmuster auszukommen: Wer vor einem ordentlichen Krieg flieht, ist ein anständiger Flüchtling. Wer auf dem Weg stirbt, ist uns egal, wir brauchen sowieso nur die Stärksten für unseren Arbeitsmarkt. Wer vor Armut flieht, ist kein richtiger Flüchtling, sondern Wirtschaftsflüchtling, also Betrüger. Wer vom Balkan kommt, ist gar nichts oder noch weniger, also Rom. Dem kürzen wir das Taschengeld und stecken ihn in gesonderte Lager.

Neben Gewohntem stellt sich aber auch leichte Verwunderung ein, wenn ein Grüner schwärzer als die CSU ist, Sigmar Gabriel sich in Linkspopulismus übt („Pack“) und Til Schweiger allein und mit nacktem Oberkörper 200 Flüchtlingsheime baut. Wer bleibt denn jetzt noch, um dem inneren Kompass (wie man in der Politik so sagt) Orientierung zu verleihen?

Putin als Pol für die Kompassnadel

Jetzt darf Putin endlich ran. Der Iwan, Gott sei Dank gibt es ihn! Auf unseren Lord Voldemort, Darth Vader und Gargamel bleibt einfach immer Verlass, wenn es Klarheit braucht. Letztes Jahr haben seine Kreaturen bereits die Welt terrorisiert.

WELT-online_2015-09-02

Und nun lässt Putin sogar schon wehrlose Lebensmittel bei der Einfuhr töten! „Was für eine Verachtung gegenüber dem Leben“, zeigt sich die FAZ, das Fachblatt für Anstand, Moral und Gutmenschentum, zurecht empört. Lebensmittel wegschmeißen! Auf so eine Idee können nur durch und durch niederträchtige Menschen kommen. Die FAZ-Redaktion geht wie alle aufrechten Demokraten containern. Jetzt ist mein Weltbild wiederhergestellt. Danke!

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¹ Angeblich hat Herrmann bei Plasberg mit „Neger“ lediglich eine Äußerung aus dem Studiopublikum (ironisch?) aufgegriffen. Ob das stimmt, weiß ich nicht; wer sich zur Überprüfung die ganze Sendung antun will, kann mir gerne etwaige Erkenntisse melden.

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