Auf Referendum folgt Addendum

Jawohl, heute geht es gebildet zu. Eine mediokre Überschrift, aber immerhin reimt sie sich, es sind komische Fremdwörter drin und sie passt sogar zum Artikel, der wirklich nur ein kurzer Nachtrag ist. Die Griechen haben also in ihrem Referendum mit Nein gestimmt und damit den Forderungen der Gläubiger eine Abfuhr erteilt. Leider müssen sich Politiker und Medien jetzt einen neuen Lord Voldemort suchen, weil Varoufakis zurückgetreten ist. Aber nicht weinen, Tsipras ist ja auch noch da.

Ein Ja zum Ausscheiden der Griechen aus dem Euro war das natürlich nicht und ich warte immer noch auf den Tag, an dem jemand vor allem den deutschen Grexit-Fans erklärt, dass es mal so richtig teuer wird, wenn Griechenland tatsächlich aus der Gemeinschaftswährung aussteigt (und dass es mit dem Rausschmeißen rechtlich schwierig werden könnte). Von 50 oder sogar 90 Milliarden Euro, die Deutschland dann flöten gehen, liest man so im hiesigen Blätterwald.

Zweimal Nachschlag, bitte

Weniger im Blätterwald, aber zumindest in diesem Internet liest man dann, dass es ja durchaus möglich zu sein scheint, über Schuldenschnitte nachzudenken, wenn das betroffene Land nicht Griechenland heißt. Da schau her.

So richtig erfrischend im Abgang ist dann diese Reuters-Meldung. Einige Länder der Eurozone haben offensichtlich versucht, die Veröffentlichung einer IWF-Analyse der Schuldensituation in Griechenland zu verhindern, in der die irren Positionen der Polit-Rocker aus Athen in entscheidenen Punkten bestätigt werden.¹ Ja, aber wer macht denn so was? Hm, der Artikel bezeichnet die IWF-Erkenntnisse als „politically anathema“ in Deutschland. Also, was auch immer das bedeutet – sicher irgendeine griechische Schweinerei wie oxi – ich setze mal fünf Euro auf Berlin.

Täusche ich mich eigentlich, oder ist den hiesigen Medien dieses kleine Detail irgendwie entgangen?²

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¹ Noch mehr IWF-Selbstkritik hier.
² So wie die mindestens eigenwilligen Interpretationen der Verhandlungen mit Griechenland, die Merkel, Gabriel, Schulz und Juncker in deutschen Medien  verbreiten durften? Und wenn wir schon wild durchs Unterholz der Fußnoten trampeln – huhu, ZEIT, wie wär’s denn mal mit vertrauensbildenden Maßnahmen?

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