Wer rastet, der postet

Reisen bringen ja bekanntlich Erkenntnisse und den folgenden Aphorismus könnte man direkt in Druck geben: Wer über deutsche Autobahnen tingelt, kommt an Raststätten nicht vorbei. Nicht schlecht, oder? Die deutschen Raststätten wurden jedenfalls anno 1998 endgültig privatisiert, die rot-grüne Regierung hat damals im Privatisierungsrausch alle Autobahnraststätten verhökert und dafür ganze 1,2 Milliarden Euro eingenommen. Sicher ein Bombengeschäft. Bei Wikipedia kann man heute noch nachlesen, dass eine der politischen Vorgaben dabei war, Monopole zu vermeiden. Das hat auch gut geklappt und so betreibt Tank&Rast nicht 100%, sondern nur 90% der etwa 400 Autobahnraststätten und hisst über der Hälfte die Serways-Flagge, damit’s nicht so auffällt und weil’s einfach cooler klingt.

Monopol 1

Innerhalb dieser Genussoasen gibt es dann für den Kunden überteuerten Essensersatz und Wasser ab drei Euro aufwärts zu kaufen, Pächter und Angestellte freuen sich über herausfordernde Arbeitsbedingungen. Echter Wettbewerb eben, in dem sich das beste Angebot durchsetzt. So überrascht es auch nicht, dass im, äh, Lounge-Bereich mit der FAZ das Fachblatt für freie Marktwirtschaft ausliegt. Eine andere Zeitung findet sich nicht, aber dafür die FAZ gleich in vierfacher Ausführung, obwohl die dem Aussehen nach den ganzen Tag noch keiner angefasst hat. Aber dafür bin ich ja jetzt da.

Im Vermischten nimmt diese herzzerreißende Story etwa eine halbe Seite ein, nach der ich Vermögensberater, Golfurlaube und die Firma Porsche plötzlich irre sympathisch finde. Ob man dem armen Auto in der Porsche-Werkstatt auch einen Traumatherapeuten zur Seite gestellt hat?

Monopol 2

Zurück zum Thema Monopole. Erwartungsgemäß jault mit Jasper von Altenbockums Kolumne auf der Titelseite die Homo-Warnsirene auf, weil in Irland das Monopol der guten, alten Ehe gefallen ist. Wieder einmal bemüht Altenbockum den ältesten aller Tricks und inszeniert sich, den weißen, wohlhabenden, christlichen, heterosexuellen Mann als Teil einer Minderheit, die von einer homosexuellen „Kampagnenmaschine“ gnadenlos unterdrückt wird. So übermächtig ist der linksgrüne Homo-Mainstream, dass sogar der Jasper vorsichtigere Töne anschlagen muss. Vor gut einem Jahr schrieb er noch schneidig: „Es sollte nicht so weit kommen, dass Mut dazu gehört zu sagen: ‚Ich bin heterosexuell, und das ist auch gut so.‘“ Unerreicht!

Was Altenbockum natürlich ignoriert, ist, dass die klassische Ehe keineswegs akut vom Aussterben bedroht ist. Noch leben immerhin 75% aller Familien nach dem klassischen Prinzip zusammen und bisher gerade mal ein Promille machen dieses Homo-Dings. Kann man alles nachlesen, muss man aber auch lesen wollen. Falls die Ehe zwischen Mann und Frau tatsächlich eines Tages vor die Hunde gehen sollte, dann sicher nicht deswegen, weil alle schwul oder lesbisch geworden sind.

Wenn Altenbockum und Konsorten also ein Problem damit haben, „das allzu menschlich Ungleiche im Namen von Gerechtigkeit und Toleranz einfach für gleich zu erklären“, dann haben sie auch ein Problem mit dem Grundgesetz, dessen Prinzip es ist, das „menschlich Ungleiche“ vor dem Gesetz „für gleich zu erklären“. Außerdem: Wenn nur Heterosexuelle die Ehe schließen dürften, wäre das doch in etwa so, als ob es an deutschen Autobahnen ausschließlich Serways- Raststätten mit Sanifair-Lobotomie-Voucher und FAZ-Bestückung gäbe. Das kann doch niemand wollen.

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