Wie man Statistiken aufgöbelt

Ich liebe die FAZ und vor allem ihre Kommentatoren. Neben dem ulkigen Jasper von Altenbockum darf auch Heike Göbel, verantwortliche Redakteurin der Wirtschaft, das Publikum regelmäßig auf Linie bringen.

Streik? Verbrecher!

So geschehen dieser Tage in zwei kurzen Artikeln, mit denen sie dem FAZ-Leser das bestätigt, was der schon immer wusste: Streiks gehen gar nicht! Über den Bahnstreik habe ich ja vergangenen November schon geschrieben und viel geändert hat sich da eigentlich auch nicht. Die Medien folgen in weiten Teilen der Darstellung der Deutschen Bahn (die Gerichte taten dies interessanterweise bisher nicht) und Weselsky ist ein „Bahnsinniger“ (BILD), der heute wieder mal eine „irre Wut-Rede“ (Express) gehalten hat. Sprachlich weniger dämlich, aber inhaltlich ähnlich erbärmlich bezeichnete Heike Göbel den Streik vor einigen Tagen in der FAZ als „Geiselhaft“ der Reisenden. Und weil die Streikenden natürlich erst dann richtige Verbrecher sind, wenn sie tatsächlich illegal handeln, fordert sie: „Die Regierung sollte […] das Streikrecht begrenzen“. Alles, was Göbel dazu so aus ihrem Hirn leierte, liefe de dacto auf eine Abschaffung des Streikrechts hinaus. Reizend.

Streik? Gierlappen!

Gestern bekamen dann vorsorglich Erzieherinnen und Erzieher noch ihr Fett weg. Die wollen auch streiken, dabei geht’s denen noch viel zu gut! Zum Beleg setzt Göbel ihren Lesern dann allen Ernstes diese Grafik vor:

Quelle: faz.net

Junge, Junge, Alarmstufe Rot! Mal ganz davon abgesehen, dass beim Erziehergehalt die mehrjährige unbezahlte Ausbildung unerwähnt bleibt, dass die Hälfte der Erzieherinnen in Teilzeit arbeitet, dabei natürlich deutlich weniger verdient, öfter einen Zweitjob braucht oder auf lecker „Hartz IV“ aufstocken muss, dass sich ein großer Teil der Berufsgruppe schon mal auf Altersarmut freuen darf – sind die FAZ-Leser schon dermaßen sediert, dass sie nicht nur einen dermaßen dürftigen und willkürlichen Vergleich, sondern auch noch den „Handwerker“ als Vergleichsberuf schlucken? Man kann sich in Deutschland zu allem Möglichen ausbilden lassen, aber sicher nicht zum „Handwerker“. Und wetten, dass der ein oder andere „Handwerker“-Meister auch mehr als 2700€ brutto im Monat nach Hause bringt? Das Einsteigerseminar zum Frisieren von Statistiken sollte Göbel vorsichtshalber nochmals besuchen.

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