Die FAZ-Redaktion im Doppelpass

Nachdem sein Kollege Müller vor einigen Tagen vorgelegt hat, übt Jasper von Altenbockum nun zwar weniger risikoreich, aber solide den Doppelpass im Spiel gegen die linke Gefahr in der Asylpolitik.

Achtung, Balkan!

Auf dem afrikanischen Flüchtling an sich kann man derzeit wohl eher weniger herumhacken. Merksatz für angehende Journalisten: 400 ertrunkene Flüchtlinge sind keine Nachricht, 800 ertrunkene Flüchtlinge sind eine. Zum Glück bleibt ja noch der Balkanese, wobei das Stichwort „Balkan“ bei deutschen Lesern auch die Assoziation „Huch, Zigeuner!“ hervorrufen dürfte, aber vielleicht täusche ich mich da.

Altenbockum bemüht jedenfalls erstmal wieder die alte Leier von guten und schlechten Flüchtlingen. Bei ihm sind das „eigentliche“ Flüchtlinge (mit verschämten Anführungszeichen versehen), denen dann implizit uneigentliche gegenüberstehen. Wer vor Krieg flieht, ist ein guter Flüchtling, wer nur die Armut zu Hause hinter sich lassen möchte, ist ein schlechter Flüchtling. Besonders sinnvoll ist diese Unterteilung zwar nicht und in vielen Fällen auch kaum trennscharf vorzunehmen – als moralisches Feigenblatt, hinter dem man Ping-Pong spielen kann, hilft sie allemal.

Schlepper und Linke sind schuld. Wer sonst?

Die entscheidende Frage ist aber natürlich, wer schuld ist, denn schließlich sind wir in Deutschland. Also, „eigentliche“ Flüchtlinge sind es nicht (vielleicht beim nächsten Mal wieder, wer weiß). Uneigentliche, also Armutsflüchtlinge, sind zwar weniger wert, aber Altenbockum ist schlau genug, sie nicht zum Sündenbock zu machen. Das sind dann: Schlepper und Linke. So einfach ist das. Die Schlepper und der „deutsche Asyl-Jakobinismus“ räumen ganze Dörfer auf dem Balkan leer. Bei „Asyl-Jakobinismus“ freut sich der FAZ-Leser, nachdem er sein iphone gefragt hat, was das, dass „linksgrün-versifft“ in seiner Zeitung so gebildet klingt.

Kundenorientierte Asylpolitik mit Moral-Upgrade

Die Schuldfrage ist somit geklärt, bleibt noch die nach der Lösung. Auch hier erweist sich Altenbockum als Mann der klaren Worte: Deutschland müsse die „Anreize senken“. Wer will, kann meinetwegen pauschalisieren, dass Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak oder Eritrea (gute Flüchtlinge) nicht „wegen 352 Euro monatlich nach Deutschland“ kommen und Flüchtlinge vom Balkan das sehr wohl tun (schlechte Flüchtlinge), wie man ebenfalls bei FAZ-online lesen kann.

Dumm nur, dass Altenbockum die Flüchtlingsfrage mit der Moral verbindet – und da wird’s dann endlich ähnlich abenteuerlustig wie beim eingangs erwähnten Artikel des FAZ-Kollegen Müller: „Die bessere Moral bestünde darin, endlich die Anreize zu senken.“ Diese Art Angebotspolitik in Menschenrechtsfragen umzusetzen, würde bedeuten, es Flüchtlingen – kundenorientiert und indivuell angepasst an die Lage in ihrer Heimat – in Deutschland mindestens genauso dreckig gehen zu lassen wie zu Hause. Kein Anreiz, keine Flüchtlinge, fertig ist die Laube. Selbst wenn diese Methode funktioniert und die Flüchtlinge ihr Elend dann weiter brav zu Hause ertragen, wo „wir“ es nicht sehen müssen – die „bessere Moral“ bietet sie mit Sicherheit nicht.

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