Zu wenig Panzer – so 2013!

Noch keinen Panzer in der Garage? Oder wenigstens im Safe (Panzerschrank, verstehste)? Dann wird’s aber Zeit, denn Panzer sind der Dernier Cri! Doch der Reihe nach. Superminister Gabriel hat sich auf die arabische Halbinsel begeben und musste in Katar erstmal irgendetwas mit Fußball sagen. Im Prinzip hat Siggi den Beckenbauer gemacht, sich eine Baustelle zeigen lassen und keine Sklaven gesehen. In Saudi-Arabien wollte er die Menschenrechte mal ansprechen, aber doch lieber hinter verschlossenen Türen, wie sich das gehört. War sicher eine (Achtung, Kalauer) geharnischte Gardinenpredigt. Aber die Saudis können auch kritisch sein und monierten, dass man Deutschland zur Zeit „als schwierigen Rüstungspartner“ empfinde. Hier kommen endlich Panzer ins Spiel, aber dazu erst gleich mehr.

Waffenmesse

Ebenfalls auf der arabischen Halbinsel hat sich ja letztens der ukrainische Präsident Poroschenko herumgetrieben und in den Emiraten eine Waffenmesse besucht. SPIEGEL-online kombiniert messerscharf, dahinter könne der „Versuch der Ukraine stecken, sich auf dem Waffenmarkt aufzurüsten.“ Möglich, aber vielleicht wollten die Herren Generäle auch nur mal den Kameltreibern mit ihren Schlabbergewändern fesche Uniformen mit ordentlich Lametta dran präsentieren?

Mit der Ukraine geht es jetzt sowieso nur noch aufwärts, weil sich Peer Steinbrück um die Staatsfinanzen kümmern wird. Bezahlt wird er dabei von fragwürdigen bzw. höchst offiziell kriminellen Oligarchen, was einen echten Profi natürlich nicht abschrecken darf. Außerdem wuppt Peer den Job parallel zu seinem Bundestagsmandat, das einen hanseatischen high performer niemals auslasten kann.

Waffen messen

Zurück zur Rüstung und sexy Panzern. Die Saudis beschweren sich laut ZEIT-Artikel zusammen mit CDU und CSU darüber, dass Gabriel Exportgrundsätze strenger auslegt als bisher. „Rüstungsexporte an Staaten, in denen die Menschenrechtslage schlecht ist oder die in Krisenregionen liegen, sind demnach ausgeschlossen.“ Als nur halb scheintoter ZEIT-Leser fragt man sich natürlich, wie Gabriels angebliche Strenge zur Exportstrategie des Panzerherstellers Krauss-Maffei Wegmann passen kann, wenn der sich laut des gleichen Artikels „in den vergangenen Jahren vor allem auf arabische Staaten als Großkunden konzentriert hatte.“ Egal, jetzt sind Panzer wohl auch wieder in Europa gefragt. Endlich! Letztes Jahr musste man nach all den Hilfeschreien aus der Branche ja noch denken, die deutsche Rüstungsindustrie stehe kurz vor dem Exitus, aber jetzt geht es wieder bergauf.

Die prominente Spaßbremse im frohgemuten Aufrüstungskarussel gibt Angela Merkel, der man mal eine kluge Einsicht attestieren muss, nachdem sie am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz sagte, „[e]s sei unmöglich, Putin so zu beeindrucken, dass er eine Niederlage befürchten müsse.“

Panzervergleich

Das sehen natürlich nicht alle so nüchtern und vom diensthabenden FAZ-Offizier wird knallhart gefordert: „Panzer sind wieder in. Putin nutzt sie zur Annektion. Deshalb braucht Deutschland auch wieder welche.“ Genau, die Bundeswehr hat nämlich das Must-have der Saison verpasst und besitzt keine Panzer. Also, fast keine, nämlich rund 280 Kampfpanzer. Die Rote Armee bringt es mit Reserven auf etwa 15000 Panzer. Preisfrage an FAZ-Redaktion und Hardthöhe: Wie viele Panzer brauchen wir denn jetzt genau, bis uns der Russe bitte, bitte endlich in Ruhe lässt?

Und falls sich einer nicht mehr sicher ist, wie bedrohlich die Lage ist, vergeht ja kaum eine Woche, in der nicht irgendein hochrangiger NATO-Funktionär unter Schnappatmung daran erinnert, an welcher Grenze der Iwan jetzt schon wieder Truppen (und natürlich Panzer!) zusammenzieht. Da muss man reagieren; die NATO hat also vorsichtshalber schon mal Soldaten (und Panzer!) ins Baltikum geschickt, was natürlich wiederum die Russen nicht so goutieren und so geht das Spielchen munter weiter. Wahrscheinlich schickt der NATO-Generalsekretär jeden Tag Postkarten aus dem Manöver ins Kanzleramt und schreibt sinngemäß: „Dear Angie, tolles Wetter hier. Leider zu wenige deutsche Panzer. Bussi, Jens.“

Rote Armee im Roten Meer?

Nochmal zum Mitschreiben: Die Kanzlerin sagt, man könne gar nicht so sehr aufrüsten, dass Putin eine militärische Niederlage befürchten müsse. (Wenn er denn überhaupt den völlig irren Plan haben sollte, in NATO-Mitgliedsstaaten einzumarschieren.) Trotzdem soll natürlich aufgerüstet und kräftig Kriegsmaterial exportiert werden. Es macht zwar keinen Sinn und die Deutschen sind bei diesem Thema ja bekannt skeptisch, aber: „Durch die aggressive russische Außenpolitik sind wieder klassische Rüstungsgüter gefragt.“ Sagt die ZEIT und liegt damit voll im Trend: Aufrüstung ist zwar sinnlos, müssen wir aber trotzdem machen. Sorry, geht leider nicht anders, der Russe ist schuld.

Es wird zwar weiter so sein, dass der drittgrößte Waffenexporteur der Welt nicht nur die eigene Armee und NATO-Partner ausrüstet, sondern auch noch so manch andere, teilweise durchaus fragwürdige Kandidaten:

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Wenn jemand fragt, warum Deutschland z.B. Saudi-Arabien mit Waffen beliefert, sagen wir dann in Zukunft einfach, dass die Rote Armee Panzer im Roten Meer zusammenzieht? Bin gespannt.

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