SZ – Rechner der Enterbten

Die Süddeutsche scheint ja letztens in punkto Sozialpolitik wieder etwas kritischer zu werden, vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein. Jedenfalls findet man im Rahmen eines aktuellen Dossiers bspw. einen Artikel zum Thema Erwerbsarmut in der letzten Wochenendausgabe und heute einen Beitrag zu den Arbeitslosenzahlen.

Einfache Subtraktion – altbekannt

Wie auch hier schon erwähnt, sind die offiziellen Arbeitslosenzahlen der Agentur für Arbeit schlicht und ergreifend manipuliert. Allerdings geschieht das nicht durch mathematisch anspruchsvolle Taschenspielertricks, sondern die Arbeitsagentur rechnet ganz offen und transparent einen großen Teil der Arbeitslosen aus der Statistik heraus. Einfache Subtraktion und längst bekannt.

Wenn jetzt die SZ auf den Plan tritt und diese Manipulation kritisiert, bin ich einerseits dankbar, dass sich überhaupt eine Zeitung dieses Kalibers darum kümmert. Für diese knallharte Recherche braucht man zwar nur fünf Minuten und ein paar Mausklicks auf der Seite der Arbeitsagentur, aber immerhin. Andererseits stelle ich mir natürlich folgende Frage: Wenn die Agentur für Arbeit auf politischen Druck über viele Jahre hinweg die Statistiken geschönt hat, obwohl die eigentlichen Zahlen für alle sichtbar deutlich höher sind, warum kritisiert die SZ dann bitte nur Arbeitsagentur und Politik? Fehlt da nicht noch jemand?

Unkritische Medien – ebenfalls altbekannt

Keine Sorge, SZ, dann übernehme ich das. Nicht erwähnt werden natürlich die deutschen Medien, die seit Jahr und Tag die Arbeitslosenzahlen aus Nürnberg unkommentiert in die Welt hinausblöken. Und dazu gehört leider auch die SZ, die sogar in kritischeren Artikeln naiv das Märchen vom „Jobwunder“ erzählt.

Sicher ist es anstrengend, in wirklich jedem Bericht und jedem Artikel darauf hinzuweisen, dass die Arbeitslosenzahlen ja eigentlich viel höher usw. usf. – aber wenn die maßgeblichen Medien der Fernseh- und Zeitungslandschaft ihrem Auftrag als vierte Gewalt des Staates nachkommen wollen, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, gerade derart dreiste Manipulationen nicht stillschweigend zu dulden. Und wenn man damit nicht jahrelang wartet, bis sich alle an schöne, aber leider falsche Zahlen gewöhnt haben, sondern von Anfang an sagt, was Sache ist, dürfte es gar nicht so schwer sein, solche Märchen wieder loszuwerden.

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