Von Wieseln und Revoluzzern

Zeit-online 2015-01-23Der Artikel gibt sich weit weniger krawallig als der Teaser und nennt als Wähler Tsipras’ Arbeitnehmer, die trotz harter Arbeit kaum überleben können, Rentner, deren Bezüge eingedampft wurden und junge Leute ohne Perspektive. Also griechische Durchschnittsbürger des Jahres 2015, die einen Kandidaten wählen, der nicht zu denjenigen gehört, die ihnen alles eingebrockt haben und der verspricht, ihnen nicht noch mehr Sparprogramme aufzubürden. Irgendwie verständlich.

Abgesehen vom Inhalt des Artikels möchte ich der Redaktion noch zur sprachlichen Gestaltung des Anreißer gratulieren. „Griechenland gehe es etwas besser, dachte man.“ „Dachte man.“ Lange nicht mehr so ein schönes Wiesel in freier Wildbahn gesehen. Denkt man also „im restlichen Europa“ scheinbar nicht mehr. Geht es diesen Griechen dann am Ende gar nicht besser? Und wer könnte solche Gerüchte verbreiten?

Und weiter: „Doch Griechen wie Christanthi oder Dimitrios wollen einen linken Revoluzzer an der Macht sehen.“ Christanthi (im Artikel heißt sie Chrisanti) will „die alte, verschlissene“ Pasok nicht mehr wählen, Dimitrios ist einer der besagten Rentner. Deshalb wollen sie nicht etwa einen sozialdemokratischen oder linken Politiker wählen, nein, sie „wollen einen linken Revoluzzer an der Macht sehen.“ Revoluzzer: Substantiv, abwertend. Synonyme: Aufständischer, Putschist, Rebell, Revolutionär, Terrorist. Ganz klein und schüchtern ist übrigens darunter der Artikel „Keine Angst vor Alexis!“ verlinkt. Schon zu spät, liebe Sprachtüftler bei ZEIT-online, mir schlottern schon die Knie.

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