„Egalité“ heißt doch Gleichgültigkeit, oder nicht?

Mal sehen, ob dieser Post zu Charlie Hebdo ähnlich oft wie der letzte gelesen wird. Ein Bild kann da nie schaden:

kimestcharlie

Zwei kurze Anmerkungen im Nachgang: Erstens bestätigt sich natürlich die Einschätzung, dass die meisten nur dann für Satire sind, wenn diese sich gegen die Anderen richtet. Das schönste Beispiel dürfte dabei die spanische Regierung liefern, deren Chef Rajoy am Sonntag in Paris mit gut 40 anderen Staats- und Regierungschefs auch irgendwie Charlie war, während zu Hause gerade aus dem Dunstkreis seiner Partei ein Prozess gegen einen Satiriker angestrengt wird. Gracias, Mariano, für diese Steilvorlage!
Die Preisfrage wäre jetzt, herauszufinden, in wie vielen Ländern, deren Staats- und Regierungschefs in Paris Charlie gewesen sind, gerade in ähnlicher Weise Druck auf Satiriker ausgeübt wird? Ich tippe mal auf mehr als nur eins (Ungarn, die Türkei, der Tschad oder die Ukraine sind wahrscheinlich nur einige der heißen Kandidaten). Am Rande dieses Happenings stellte sich übrigens völlig überraschend heraus, dass ein Bild, welches unter ordentlich Schnappatmung „schon jetzt zu den bedeutsamsten politischen Ikonographien unserer Epoche“ hochgejazzt wird, nicht genau das zeigt, was es vorgibt. Der Süddeutschen macht so leicht keiner was vor.

Wo wir schon auf der Seite der SZ herumlungern, bleiben wir doch gleich da. Denn zweitens hat ja mehr oder weniger zeitgleich mit dem Anschlag in Paris Boko Haram in Nigeria eine verheerende Anschlagsserie verübt, über die man in den Medien wenig bis gar nichts erfährt. Der Online-Auftritt der Süddeutschen hat seit vier Tagen keine einzige Zeile mehr über das Massaker in Baga geschrieben. Auf anderen gängigen Seiten findet sich zwar etwas mehr, aber wenn man heute auf den Startseiten der großen Nachrichtenanbieter wie Spiegel, FAZ, SZ, WELT, ZEIT etc. zwischen all den Berichten zum Pariser Anschlag nach „Baga“ oder „Boko Haram“ sucht, findet man – nichts. Gar nichts.

Es soll hier nicht darum gehen, ob in Nigeria jetzt tausende oder hunderte Menschen ermordet wurden oder darum, die Terroropfer von Paris und Baga gegeneinander aufzurechen, das führt sowieso zu nichts. Aber es stellt sich doch die Frage, warum grob geschätzt eine Trillion Artikel, Kommentare und Interviews zu einem islamistischen Anschlag geschrieben und gesendet werden, in denen jeder und sein Haustier seinen Senf abgeben darf, während die Nachrichtenlage zu einem anderen islamistischen Anschlag, der wohl kaum weniger verheerend gewesen ist, so dürr bleibt. Natürlich ist „uns“ Paris nicht nur geographisch näher als Nigeria und die Lage im Nordosten des Landes ist sicher unübersichtlicher und für Journalisten (so sie denn überhaupt dorthin reisen) deutlich gefährlicher als Paris. Aber ein solch eklatantes Missverhältnis sollte doch, auch wenn es nicht gerade ein neues Phänomen ist, gerade in diesen Tagen, in denen Solidarität und Werte wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ach so großgeschrieben werden, ein wenig nachdenklich machen, oder nicht?

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