Bau, schau, wem!

Der aktuelle Wahlkampf eint ja alle Kölner Parteien darin, Wohnraum schaffen zu wollen. Egal, ob Regierung oder Opposition, ob Kommunisten oder Liberale – Wohnungen müssen her und bezahlbar sein sollen sie auch. Wenn also schon Wahlkampf und wohlfeile Thesen angesagt sind, dann ab in den Boulevard-Modus. In der Kölner Südstadt stellt sich der Immobilienmarkt dem interessierten Bürger aktuell so dar:

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Auf der rechten Seite das „RheinauArtOffice“, wo bisher Microsoft Deutschland residierte; jetzt 2000m² Leerstand. Direkt gegenüber entsteht gerade der „Holzmarkt 1“ mit 18 700m² Bürofläche.

Jenseits solcher polemischen Zuspitzungen gilt, dass in Köln über eine halbe Million Quadratmeter Büroflächen leer stehen. Gar nicht erst berücksichtigt wird in diesen Statistiken der sogenannte Sockelleerstand, d.h. Büroflächen, die so alt und unsexy sind, dass sie sowieso keiner mehr haben will. Das aber nur nebenbei. Wenn man die Prognose für 2014 ansieht, soll der Leerstand sich also verringern, obwohl die Zahl der Beschäftigten nicht zunehmen und 89 000m² neuer Bürofläche entstehen sollen. Welches Fach man studiert haben muss, um das zu verstehen, weiß ich nicht. Aber wie immer, wenn ich in solchen Fragen nicht weiter komme, wende ich mich Hilfe suchend an die WELT.

Die thematisierte die Leerstände im April ebenfalls, wusste aber zu berichten, dass diese abgebaut werden und eigentlich alles ziemlich super sei. Einer der zitierten Analysten von BulwienGesa durfte dann auch noch behaupten, dass „[a]ngesichts des überwältigenden Anstiegs der Bürobeschäftigten“ dringend neue Flächen nötig seien. Nach den Daten seines eigenen Arbeitgebers sieht dieser „Anstieg“ im Vergleich mit dem Wachstum der Bürofläche übrigens so aus:

Quelle: koelner-hug.de
Quelle: koelner-hug.de

Für Köln und die Politiker anderer großer Städte sollte daraus nicht nur die Frage resultieren, wie man in der Bauplanung „zwischen den konkurrierenden Nutzungen abwägen“ muss, sondern auch die, wie man es für Investoren attraktiver oder zur Not verpflichtender macht, bezahlbare Wohnungen statt Büros zu bauen. Sonst bekommen die Großstädte von Analysten und Maklern noch ein paar Millionen Quadratmeter Gewerbefläche mehr aufgeschwatzt und wundern sich dann wieder öffentlichkeitswirksam, wo denn die Wohnungen geblieben sind.

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