Platte der Woche (5)

Cut Hands 4

Cut Hands: Volume 4 [Dirter]

Volume 4 ist, man ahnt es schon, die vierte einer Reihe von Vinylauskopplungen aus Cut Hands CD-Album Black Mamba und erscheint in limitierter Auflage und hervorragender Soundqualität auf 180g schwerem Vinyl. Das Cover ziert wie immer bei Cut Hands ein Vévé. Aha. In den meisten Kritiken, die ich gelesen habe, wurde die Bezeichnung wahrscheinlich einfach aus dem Pressetext übernommen und so getan, als könne damit selbstverständlich jeder etwas anfangen. Ich nicht. Also habe ich nachgeschlagen und erfahren, dass Vévés Symbole aus dem westafrikanischem Hoodoo sind.

In diesen Kontext passen dann natürlich die für Cut Hands typischen, fieberhaft polyrhythmischen Tracks, zu denen man sich als europäisches Weißbrot im Colonial-Gaze-Modus gerne ekstatische Hoodoo-Tänze vorstellen mag. Die eigentliche Faszination der Musik entsteht aber aus dem Spannungsverhältnis von wilden Percussions einerseits und kühler, präziser Soundästhetik andererseits. Vielleicht hätte es etwa so geklungen, wenn Muslimgauze und Shackleton zusammen Industrial produziert hätten. Die minimalistischen, ganz auf Percussions, Drums und Bass fokussierten Strukturen werden hier und da noch durch Drones und Soundschnipsel ergänzt und fertig sind Tracks, die vor allem im Club durch ihre Kompromisslosigkeit und Kraft einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen dürften.

Meine Lieblingsstücke sind allerdings die ruhigeren, beinahe hypnotischen Stücke wie 54 Needles oder Nine-Night. Hier nehmen Tempo und Intensität der perkussiven Strukturen etwas ab, rücken mehr in den Hintergrund und lassen so Raum für melancholische Synthesizer-Flächen, die (natürlich) sofort an die Dystopie des Films Blade Runner denken lassen. Black Deer hat das vor nicht allzu langer Zeit mit Trail of Tears ähnlich gut gemacht und eine faszinierende Mischung aus „synthetischen“ und „ethnischen“ Elementen hingezaubert.

Leider habe ich keine komplette Vorschau gefunden, aber die folgenden zwei Ausschnitte spiegeln die eben beschriebene Bandbreite der Stücke ganz gut wider, wobei Black Mamba tatsächlich auf Volume 4 zu finden ist, Krokodilo Theme dagegen auf Volume 3.

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