Hardware

Various Production veröffentlichen nach langer Zeit mal wieder Musik. Dazu mal wieder Musik, die mir gefällt. Eigentlich wollte ich über den Track „Hardware“ schreiben, aber dann kamen mir die Art der Erscheinung und ihr Titel in die Quere.

Die Tracks sind an eine ipad-App gekoppelt, mit der man zusätzliche Tracks und Videos freischalten kann, wenn man irgendwelche Rätsel löst. Das sei die Zukunft, jubelt ein Kritiker. In der Vergangenheit wäre es dasselbe gewesen, eine Platte zu pressen, die man nur auf Technics-Plattenspielern ganz anhören kann.

Nein, mir geht es nicht um Kritik an Apple. Ich besitze keine Apple-Produkte, bin nur neidisch und Steve Jobs war sowieso Siddhartha Gautamas Schwippschwager.

Mir geht es um die Selbstverständlichkeit, mit der Apple-Produkte gepusht werden. Ich weiß, dass es nicht ganz zum Aufhänger des Artikels passt, aber sucht mal in den Onlineangeboten unserer seriösen Presse nach Apple-Produktnamen und denen der Konkurrenz.

Zum Beispiel zeit.de:

Surface: 76 Treffer

Galaxy: 239 Treffer

ipad: 652 Treffer

iphone: 1081 Treffer

Das sieht auf anderen Seiten ziemlich ähnlich aus. Woran das liegt? Entweder daran, dass es über Apple-Produkte so viele heiße News gibt, die aber mal ganz dringend über den Ticker müssen. Oder aber daran, dass Journalisten bestimmte Markennamen auch dann andauernd benutzen, wenn sie für den Artikel völlig irrelevant sind und eine neutrale Bezeichnung angebracht wäre. Beispielsweise fällt mir die Autorin im „Reisen“-Teil der gedruckten ZEIT ein, die mit dem SUV durch China brettert und darauf hinweisen muss, dass sie ihr ipad als Navigationssystem benutzt. Nicht etwa ein Tablet. Nein, ein ipad.

Ich weiß, das ist nur ein Beispiel und als Einzelfall kaum der Rede wert. Aber solche Nennungen begegnen mir ziemlich häufig und in irgendwelchen Artikeln müssen ja die 652 „ipads“ und die 1081 „iphones“ untergebracht werden. Wenn Journalisten ständig davon schrieben, wie sie in Mercedes-Taxis steigen, auf ihre Breitling-Uhr schauen und dann im Puff Pascha einchecken, würde doch auch jemand hellhörig, oder?

Um schließlich halbwegs geschickt zu meinem Aufhänger zurückzukehren: Dass Musiker wie Various Production oder Björk Marketingnummern mit diesem oder jenem Unternehmen abziehen, muss ich nicht gut finden, kann ich aber nachvollziehen. Dass Journalisten umsonst Werbung für Apple-Produkte machen, eher weniger.

Am schlimmsten ist, dass jetzt auch auf meinem Blog wieder eine Marke in der Stichwortsuche ganz vorne liegt. Die Rechnung für die PR schicke ich morgen, Steve. Kannst dich wieder hinlegen.

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