Let’s FAZ

Die FAZ mal wieder.

Dass da Leute wie Jasper von Altenbockum ihre homophobe Fantasie ins Kraut schießen lassen – schon alles zu gesagt. Aber die FAZ ist ja sowieso eher die Zeitung mit der Kompetenz-Kompetenz in wirtschaftlichen Belangen. Da sind mir diesen Monat zwei Artikel aufgefallen:

Erst durfte der ehemalige “Wirtschaftsweise” und Bundesverdienstkreuzritter Bert Rürup eine Lanze für die kapitalgedeckte Rente brechen, die seit der rot-grünen Reform der gesetzlichen Rente das Umlageverfahren ersetzt (“Riester-Rente”, “Rürup-Rente”). Rürup preist die irre rentablen Anlagemöglichkeiten der Prämien im Ausland, mit denen sich unsere Rente ja quasi von selbst bezahlt.
Blöd nur, dass es zwischendurch eine Finanzkrise gegeben hat, die gezeigt hat, wie schnell auch die Anlagen eines Rentenfonds durch den Kamin gehen. Aber keine Sorge, ein großer Teil des Geldes bleibt natürlich hier; nämlich bei den Unternehmen, die solche Finanzprodukte verkaufen. Wie z.B. seinerzeit Maschmeyers zwielichtige AWD-Holding mit Stargast Bert Rürup als Chefökonom.

So, und heute schreiben dann Rainer Hank und Winand von Petersdorff-Campen über die “Amoral des Staates” im Kampf gegen Steuerhinterzieher. Der größte Teil des Artikels geht klar, man sollte die moralischen und juristischen Probleme im Ankauf von Steuer-CDs oder bei der Verletzung des Steuergeheimnisses im Falle Schwarzer und Hoeneß in der Diskussion nicht ausblenden. Aber richtig interessant wird es erst am Schluss, denn

“der Staat ist bedrohlicher geworden, wenn es um die Durchsetzung seiner finanziellen Interessen geht. Warum? Es könnte mit dem wachsenden Ausgabendruck des üppigen Sozialstaats zusammenhängen, vermutet der Berliner Rechtsprofessor und Anwalt Alexander Ignor.”

Warum schwächen die beiden Autoren ihre Begründung vom “üppigen Sozialstaat” vierfach ab? Sie treffen die Aussage erstens nicht selbst. Sie zitieren zweitens nicht einen Ökonomen, sondern einen Juristen. Sie setzen die indirekte Rede in den Konjunktiv II (irrealis) statt Konjunktiv I zu benutzen. Und sie lassen ihren Experten nur “vermuten”.
Es scheint, als glauben sie diese Erklärung selbst nicht wirklich – aber die Aussage steht trotzdem.

Jetzt wissen die FAZ-Leser also, was los und wer schuld ist. Ein zu teurer Sozialstaat, dessen Üppigkeit einfach vorausgesetzt wird, ist für ein zunehmend aggressives Auftreten des Staates verantwortlich. Unser inkontinenter Sozialstaat hat ja bspw. so einen “Ausgabendruck”, dass das Bundesverfassungsgericht den “Hartz-IV”-Regelsatz vor vier Jahren als mit dem Grundgesetz unvereinbar kassiert hat. Danach wurde er um üppige 5€ erhöht.

Wie man Leser weiter sprachlich manipulieren kann, illustriert die direkte Fortsetzung des Artikels:

“Natürlich sei sich der Staat darüber im Klaren, dass er für viele seiner Ausgaben bei den Bürgern keine Zustimmung findet.”

Gemerkt? Hank und von Petersdorff-Campen sagen nicht, welche Ausgaben das sein könnten. Aber der mündige FAZ-Leser erkennt durch die direkte Aufeinanderfolge natürlich selbst, dass es diese üppigen Sozialausgaben sein müssen.

Den jährlichen Verlust der öffentlichen Haushalte durch Steuerhinterziehung und alle möglichen Schlupflöcher beziffert die EU übrigens auf etwa eine Billion Euro – nachzulesen im selben Blatt. Das könnte natürlich ein auch Grund für das “bedrohliche” Verhalten des Staates sein.

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